Korrektur an den Aktienmärkten: Eine willkommene Abkühlung und Warnung vor utopischen Vorstellungen

Der DAX ist in den Jahren 2012 und 2013 von 5.900 auf 9.600 Punkte gestiegen. Dies entspricht einem Kursplus von 62%. Dieses Anstiegstempo auch für die Jahre 2014 und 2015 fortzuschreiben, erschien uns – im Gegensatz zu manch äußerst optimistischen Prognostikern – von jeher utopisch. Denn: Die Bewertungen der globalen Aktienmärkte notieren heute gegenüber der Historie im überteuerten Bereich. Der US-Markt, gemessen am S&P 500, ist auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnis 2014 (2,9) 14% teurer als im Durchschnitt der vergangenen 34 Jahre. In Deutschland liegt das zyklenadjustierte Shiller-KGV des DAX mit 18,4 Punkten gar vier Punkte oder 28% über dem langfristigen Durchschnitt. Nur innerhalb der EWU gibt es unter den Industriestaaten noch einige Märkte wie Spanien oder Frankreich, in denen die Bewertung im historischen Vergleich noch nicht ausgereizt ist. Weil zuletzt auch die Stimmung an den Aktienmärkten einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, hatten wir am 22. Januar bei rund 9.700 DAX-Punkten zum taktischen Verkauf geraten.

Ein weiterer Anstieg der Aktienmärkte um 50 oder 60% in den kommenden Jahren wäre fundamental nur gerechtfertigt, wenn auch die Unternehmensgewinne im ähnlichen Ausmaß ansteigen würden. Von dieser Vorstellung sollten sich Anleger jedoch trotz der sich aufhellenden Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft schleunigst verabschieden. Investoren haben in den vergangenen Jahren den Großteil der Ernte am Aktienmarkt eingefahren und sollten sich damit zufrieden geben. Anleger, die sich heute neu am Aktienmarkt engagieren wollen und somit nicht den Vorteil eines niedrigen Einkaufspreises haben, starten von einer höheren Ausgangsbasis und müssen sich unter Umständen auf volatile (=unruhige) Zeiten einstellen. Aktienpreise schwanken naturgemäß, auch wenn dies in den vergangenen Jahren zunehmend in Vergessenheit geraten ist. Die Erfahrung zeigt zudem, dass umfangreiche spekulative Positionen, z.B. gemessen am Umfang der kreditfinanzierten Aktienkäufe in den USA, jederzeit heftige Einbrüche auslösen können. Anleger sollten daher den jüngsten Kursrutsch der Aktienmärkte als Warnschuss in Erinnerung halten.

Mit Blick auf das weitere Anlagejahr 2014 gehen wir unverändert davon aus, dass uns keine systemische Krise an den Kapitalmärkten bevorsteht. Solange die Konjunktur weiter wächst und die Zinsen unter dem langfristigen Mittel notieren, sollten auch die Gewinne der Unternehmen steigen und den fundamentalen Unterbau für die hohe Preisbasis der Aktienindizes bessern.

Der DAX sollte in diesem Zeitraum zwischen 8.600 (Bereich um 200-Tage-Linie) und 10.200 Punkten (DZ-Prognose per 31.12.14) notieren. Kurzfristig erscheinen nach einer Korrektur von zehn oder vielleicht zwölf Prozent Erholungsversuche an den Aktienmärkten plausibel. Diese würden wir gerne zum erneuten taktischen Aufbau unserer jüngst reduzierten Aktienquote nutzen. Mit Blick auf die kommenden Wochen heißt es geduldig abzuwarten. Auf der Verkaufsseite sollten panische Aktionen vermieden werden. Für Schnäppchenkäufe in den Emerging Markets hingegen ist es aus unserer Sicht noch zu früh. Bis sich die Großwetterlage in diesen Märkten aufklärt, dürfte noch etwas Zeit vergehen.

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