Japan: Gedämpftes Wachstum am Jahresende 2013, durchwachsener Ausblick auf 2014

Japan ist im Schlussquartal 2013 nur um 0,3 Prozent gewachsen. Dies war deutlich weniger als vom Markt und auch von uns erwartet wurde. Für das Gesamtjahr 2013 – dem ersten Jahr der „Abenomics“ – ergibt sich damit ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent, nach 1,5 Prozent im Jahr 2012. Haupttreiber der Konjunktur im Endquartal 2013 waren die Investitionen, die um 1,9 Prozent (ggü. Vorquartal) zulegen konnten. Hierin sind auch die Investitionen des Staates enthalten. Die Konsumenten zeigten sich mit einem Plus von 0,5 Prozent ebenfalls recht ausgabefreudig. In gleicher Höhe stieg der Staatskonsum. Auch die Exporte haben zuletzt zugelegt. Ihr relativ moderater Zuwachs von 0,4 Prozent reichte aber nicht aus, um ihren Rückschlag vom Vorquartal vollständig auszugleichen. Gebremst werden Japans Exporte offenbar weiter vom bislang ungelösten politischen Spannungsverhältnis zu China. Der Staatsverbrauch stieg mit +0,5 Prozent.

Als schwere Belastung für das Wachstum haben sich im Jahresverlauf die Importe erwiesen. Diese stiegen am Jahresende immerhin um 3,5 Prozent an, das war der stärkste Quartalszuwachs seit zweieinhalb Jahren. Als Folge daraus ist im Endquartal 2013 Japans Leistungsbilanz erstmals seit Ende 1980 wieder in den negativen Bereich (-0,3 % des BIP) gerutscht – ein Faktum, das für japanische Verhältnisse ungewohnt ist. Der dahinter liegende Grund ist die hohe Abhängigkeit des Landes von Energieimporten. Aufgrund der Yen-Abwertung, die durch die extrem expansive Geldpolitik maßgeblich angestoßen wurde (der Yen verlor im Gesamtjahr über 20 Prozent an Wert relativ zum US-Dollar), sind auch die von Japan zu zahlenden Preise für Energieeinfuhren stark in die Höhe gesprungen.

Wichtigster Faktor für die Konjunktur im laufenden Jahr wird sein, inwieweit Japans Konsumenten die Anhebung der Konsumsteuer ab 1. April (von 5 auf 8%) „wegstecken“. Man erinnere sich: Bei der letzten Steuererhöhung vor siebzehn Jahren (von 3 auf 5 %) brach hernach die Konjunktur ein und Japan landete in einer Rezession, die dem damaligen Premier Hashimoto das Amt kostete. Japan ist aber diesmal „besser aufgestellt“. Denn erstens ist dort keine neue Bankenkrise wie 1997 zu erwarten, die damals rezessionsverschärfend wirkte, und auch die asiatischen Nachbarn dürften kaum in eine „Asienkrise II“ stürzen. Zudem können die Unternehmen bald mit Steuererleichterungen rechnen. Durch ein „Mini-Fiskalpaket“ sollen die negativen Konjunktureffekte diesmal begrenzt bleiben. Wir rechnen daher damit, dass Japans Konjunktur nur im Sommerhalbjahr 2014 deutlich schwächer ist und sie sich am Jahresende wieder beschleunigt. Voraussetzung für eine mittel- und längerfristige Stabilisierung des Realwachstums auf mindestens 1 ½ bis 2 ½ Prozent pro Jahr, was auch die fiskalische Sanierung erleichtern würde, ist die Umsetzung der von Shinzu Abe versprochenen Strukturreformen. Größere Fortschritte bei diesen Reformen sind aber noch nicht zu erkennen.

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