Maschinenbau leidet unter Emerging Markets-Krise

Im letzten Jahr musste der Maschinenbau in Deutschland seine Produktion um 1,8% drosseln. Verantwortlich dafür war insbesondere eine deutliche Nachfrageschwäche aus den Emerging Markets: Die Maschinenausfuhren nach Russland sanken um über 2%, nach China um über 4%. Lieferungen nach Südamerika und Südostasien schrumpften um mehr als 7%, nach Indien gingen sie sogar um fast 15% zurück.

Die Auslandsbedeutung im deutschen Maschinenbau ist weit überdurchschnittlich: Mehr als 60% des Branchenumsatzes werden im Ausland erzielt. Nur noch rund 40% dieser Ausfuhren bleiben in der europäischen Union, etwa 10% gehen nach Nordamerika. Während sich die Bedeutung dieser Märkte in den letzten Jahren deutlich reduziert hat, ist der Ausfuhranteil der Schwellenländer beträchtlich gestiegen. Damit erhöhte sich die Abhängigkeit der Maschinenbauer von der tendenziell volatileren Nachfrage aus den Emerging Markets.

Die gesunkene Nachfrage aus den Schwellenländern resultiert dabei nicht aus einer Rezession dieser Länder. Sie wachsen weiterhin mit Wachstumsraten, von denen Deutschland in den vergangenen Jahren nur geträumt hätte. Die Wachstumsdynamik hat in den letzten beiden Jahren jedoch stark nachgelassen. Die Konjunktur der Schwellenländer wird auch in diesem Jahr uneinheitlich verlaufen: Für einige Länder wie etwa Argentinien oder China ist noch kein merkliches Anspringen der Wachstumsdynamik absehbar. Dagegen dürfte sich das Wachstumstempo in Indien und Russland beschleunigen.

Im Gegensatz zur Nachfrage aus den Schwellenländern spielte die Euro-Schuldenkrise trotz rückläufiger Exporte nach Spanien und Italien im Maschinenbau nur eine untergeordnete Rolle: Die Maschinenlieferungen in die Länder der Europäischen Union nahmen im letzten Jahr vermutlich sogar leicht zu, was vor allem an gestiegenen Ausfuhren nach Frankreich und Großbritannien lag.

Nicht zuletzt wegen des Aufschwungs in Deutschland und Europa wird die Weltwirtschaft an Fahrt gewinnen, wovon auch der Maschinenbau profitieren wird. Einige aktuelle Zahlen für den Maschinenbau signalisieren bereits ein Ende des Abwärtstrends: Die Kapazitätsauslastung hat zu Jahresbeginn etwas zugenommen und die Nettoproduktion verlief zuletzt nicht mehr ganz so schlecht, wie noch vor einigen Monaten. Außerdem blieben die Ausrüstungsinvestitionen im Schlussquartal immerhin bereits stabil gegenüber dem Vorjahresergebnis.

Zudem sind die Unternehmen selbst optimistisch für die Zukunft gestimmt: Die Geschäftserwartungen im Maschinenbau sind im Februar zum vierten Mal in Folge gestiegen. Bisher zieht die Einschätzung der aktuellen Lage aber noch nicht mit an.

Trotz weiter bestehender Risiken aus der Emerging Markets Krise erwarten wir für dieses Jahr ein Wachstum der Maschinenproduktion in Höhe von über 3%.

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