Moody’s erklärt die EWU-Krise für beendet

Am vergangenen Freitag hat die Ratingagentur Moody’s bekannt gegeben, dass sie den Ausblick für Deutschland, Luxemburg und auch Österreich auf stabil anhebt. Moody’s begründete den Schritt, nachdem sie vor kurzem erst Spanien heraufgestuft hatte, vor allem mit den geringeren Haftungsrisiken für die betreffenden EWU-Staaten, die im Zuge der Staatenfinanzkrise entstanden waren.

Mit Abnahme der Risiken, die aus der EWU-Krise hervorgehen, ist eine Konvergenz der Ratings zwischen Kern- und Peripheriesegment zu beobachten. Die Unterschiede bei den Ratings zwischen den einzelnen Ländern dürften daher weiter abnehmen. Auf welchem Niveau die Konvergenz, der auch eine Vergemeinschaftung der Risiken zugrunde liegt, zu einem neuen Gleichgewicht führt, hängt auch davon ab, wie stark die Risiken in Bezug auf die EWU-Krise tatsächlich abnehmen werden. Trotz positiver Entwicklungen wie im Fall Spanien macht die Lage in Griechenland deutlich, dass noch nicht überall ein gleichermaßen nachhaltiges Konzept der Schuldentragfähigkeit gefunden werden konnte.

Das Abebben der EWU-Krise stellt einen entlastenden Faktor sowohl in Bezug auf die Peripherie- als auch die Kernstaaten dar. Während sich die Bonität der Peripheriestaaten auf niedrigem Niveau erholt und eine Trendwende bei allen Ländern und in der Bewertung durch alle Agenturen abzeichnet, bestehen die Strukturprobleme der Kernstaaten fort oder treten sogar in Relation zu dem ansonsten verbesserten Umfeld abnehmender EWU-Risiken stärker zutage. Mit Ausnahme von Deutschland leiden praktisch alle Kernstaaten an Problemen, die Einfluss auf die Wachstums- und Verschuldungskennziffern haben. In den Ratings sind diese Probleme jedoch vor allem dann noch nicht vollständig abgebildet, wenn bei den Strukturschwächen keine baldigen Verbesserungen erzielt werden.

Das Risiko von Herabstufungen der Kernstaaten durch Moody’s hat sich reduziert, die Aussicht auf Ratinganhebungen in der Peripherie erhöht. Ein hinreichendes Indiz für ein generelles Ende des Zyklusses von Ratingherabstufungen bei den Kernstaaten sowie eine Übertragung dieser Argumentation auf die anderen beiden Ratingagenturen wäre gegenwärtig jedoch verfrüht. Die Divergenzen zwischen den Agenturen bei der Beurteilung von Länderbonitäten können durchaus weiter fortbestehen und aufgrund der unterschiedlichen Gewichtung von belastenden nationalen und entlastenden europäischen Faktoren sogar noch zunehmen.

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