Aktienmärkte im Frühjahr: US-Aktien zu teuer, breites Europa günstiger bewertet, DAX bleibt „Trading“-Markt

Wir hatten Mitte Januar und Ende Februar vor einer Zuspitzung der Stimmung gewarnt und zu taktischen Verkäufen an den Aktienmärkten geraten. Im gleichen Zug hatten wir im DZ BANK Depot die Aktienquote gesenkt. Die Bewertungen verschiedener Märkte hatten Niveaus erreicht, die deutlich über den Durchschnitten der vergangenen Jahre gelegen hatten. Insbesondere der amerikanische Markt, gemessen am S&P 500 Index, erschien uns deutlich zu teuer, während es innerhalb der EWU noch einige Industriestaaten wie Spanien oder Frankreich gab, in denen die Bewertung der Aktienindizes im historischen Vergleich noch nicht ausgereizt war. Tatsächlich erfolgten nach unseren Warnungen jeweils Korrekturen von 650 und 400 DAX-Punkten.

Die Vergangenheit zeigt, dass Bewertungsaufschläge gegenüber dem historischen Durchschnitt nur gerechtfertigt waren, so lange auch die Konjunkturdynamik überdurchschnittlich ausfiel. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Konjunkturdynamik im Gesamtjahr 2014 mit einem erwarteten Wachstum der Weltwirtschaft um 3,4% stärker als im Vorjahr ausfallen dürfte. Bis sich diese jedoch im Zahlenwerk der Unternehmen niederschlagen wird, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zunächst droht den Aktienmärkten von Unternehmensseite nach Abschluss der Berichtssaison zum vierten Quartal tendenziell Nachrichtenarmut. Die Berichtsdaten zum ersten Quartal dürften vielfach enttäuschen, weil sich einige der Negativentwicklungen im bisherigen Jahresverlauf (Währungsturbulenzen, Wintereinbruch in den USA, Smog in China, Konflikt zwischen der Ukraine und Russland) auch in den Umsatz- und Ergebniszahlen einzelner Unternehmen widerspiegeln dürften. Einen ersten bitteren Vorgeschmack darauf lieferte gestern das Unternehmen Adidas mit einer erneuten Senkung des Ausblicks für 2014.

Kurzfristig sprechen außer der relativen Unterbewertung gegenüber den Rentenmärkten und der anstehenden Dividendensaison wenige Argumente für die Aktienmärkte. Der US-Markt ist überteuert und sollte an starken Tagen verkauft werden. Der breite europäische Markt hingegen ist günstiger bewertet und bietet sich zu Käufen bei Rückschlägen an. Der DAX bleibt zunächst ein „Trading“-Markt. Mit der Vorlage der Q1-Daten drohen dann kurzfristige Enttäuschungen.

Bis sich die Lage auf der Krim final klärt, dürft sich das kurzfristige Auf und Ab an den Aktien-, Anleihen- und Rohstoffmärkten zunächst fortsetzen. Trotz der niedrigen Bewertung speziell russischer Aktien sollten Anleger die vermeintlich günstigen Märkte Osteuropas zunächst meiden. In der Vergangenheit war häufig zu beobachten, dass politischen Stresstests oft auch wirtschaftliche Nachwirkungen folgten. Die niedrigen Bewertungen wären in diesem Fall irreführend und Kursverluste nur mit langem Atem aushaltbar.

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