EZB mit abwartender Haltung

Der EZB-Rat bei seinem heutigen Zusammentreffen seinen Leitzins wie von uns erwartet bei 0,25% belassen. Derweil hatte mancher Finanzmarktakteur im Vorfeld auf die Ankündigung weiterer unkonventioneller Maßnahmen gelauert. Derartiges, beispielsweise ein Aussetzen der SMP-Abschöpfungstender, behalten die europäischen Währungshüter aber zunächst noch in der Hinterhand.

Im Rahmen der heutigen turnusgemäßen Pressekonferenz hat EZB-Chef Draghi routinemäßig neue Projektionen zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung vorgestellt. Die überarbeiteten EZB-Projektionen deuten grundsätzlich auf eine sich fortsetzende Erholung in der Eurozone hin. Während für 2015 weiterhin von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,5% ausgegangen wird, ist die Schätzung für das laufende Jahr leicht auf 1,2% von zuvor 1,1% angehoben worden. Mit Blick auf das Jahr 2016 rechnet die Notenbank mit einer weiteren Belebung und einem Plus von 1,8%. Angesichts einer an den Finanzmärkten zuletzt lebhaft geführten Deflationsdebatte waren die aktualisierten EZB-Projektionen zur Inflation heute von besonderer Bedeutung. Die EZB-Stabsmitarbeiter skizzieren hier das Bild einer länger anhaltenden Phase einer sehr gemäßigten Teuerung. Selbst mit Blick auf das Jahr 2016 rechnen die EZB-Stabsmitarbeiter lediglich mit einer Rate von 1,5%: weiterhin signifikant unterhalb des EZB-Zielwertes von unter, aber nahe bei 2%.

Auch wenn die europäischen Währungshüter bei ihrem heutigen Zusammentreffen dem Druck des Marktes nicht nachgegeben haben, sind mit Blick auf die nächsten Monate weitere unkonventionelle Maßnahmen der EZB nicht ausgeschlossen. Das geldpolitische Umfeld bleibt für die Währungshüter weiterhin herausfordernd. Näherer Beobachtung bedarf in diesem Zusammenhang die weiterhin schrumpfende Kreditvergabe (-4,5% in der Jahresrate im Januar). Die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe könnte grundsätzlich den zarten Aufschwung der Realwirtschaft gefährden. Ein weiterer Risikofaktor ist in diesem Zusammenhang auch die anhaltend schrumpfende Überschussliquidität und ein damit einhergehendes Risiko steigender Geldmarktnotierungen. Angesichts dieser Herausforderungen bleiben die europäischen Währungshüter weiterhin gefordert, die Entwicklungen genau zu beobachten. Auch wenn wir EZB-Zinssenkungen nicht erwarten, erscheinen uns weitere unkonventionelle Maßnahmen in den kommenden Monaten durchaus vorstellbar.

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