China: Negative Handelsbilanz – Anlass zur Sorge?

Chinas Außenhandelszahlen für den Monat Februar haben am Wochenende für eine deutlich negative Überraschung gesorgt: Die Exporte sind im Vergleich zum Februar 2013 um 18 Prozent gesunken – am Markt war dagegen mit einem sichtbaren Plus von fast 7 Prozent gerechnet worden. Die Importe hingegen sind gegenüber dem Vorjahr um rund 10 Prozent und damit etwas stärker als vom Markt erwartet gewachsen. Die Folge: Die chinesische Handelsbilanz ist im abgelaufenen Monat deutlich ins Minus gerutscht. Nach einem Überschuss von knapp 32 Mrd. US-Dollar im Januar, weist sie für den zurückliegenden Monat nun einen Fehlbetrag von fast 23 Mrd. Dollar auf. Muss man sich angesichts dieser schwachen Daten ernstliche Sorgen um die chinesische Wirtschaft machen? Schließlich haben auch die Indikatoren zur Stimmung in Chinas Industrie in den vergangenen Wochen sichtbar nachgegeben und damit eine schwächere Konjunkturentwicklung im Reich der Mitte angedeutet.

Zunächst eine Entwarnung: Chinas Handelsbilanz weist in der Regel im Februar (manchmal auch im März) den schwächsten Monatswert im ganzen Jahr auf. Exporte und Importe sinken im Vergleich zum Vormonat deutlich – die Exporte allerdings weitaus stärker als die Importe. Dafür verantwortlich ist das chinesische Neujahrsfest, zu dem viele Firmen ihre Produktion für mehrere Tage einstellen. Auch im vergangenen Jahr war die chinesische Handelsbilanz vorübergehend leicht defizitär. Und 2012 rutschte sie mit 32 Mrd. US-Dollar sogar noch kräftiger ins Minus als im vergangenen Monat. Letztendlich wies die Handelsbilanz dann aber für das Gesamtjahr einen deutlichen Überschuss aus – in beiden Jahren.

Da die Neujahrsfeierlichkeiten von Jahr zu Jahr zwischen Januar und Februar schwanken und die Produktionsausfälle mal vollständig in den Februar, mal in den Januar fallen, sind die Produktions- und Außenhandelsdaten in den ersten Monaten des Jahres sehr stark verzerrt und eine Bewertung nur eingeschränkt möglich. Ein schlüssigeres Bild ergibt sich erst, wenn auch die März-Werte vorliegen. Festhalten kann man aber schon jetzt, dass der Rückgang der Exporte im Vergleich zum Vormonat Januar mit rund 45 Prozent außergewöhnlich hoch war – minus 30 bis minus 35 Prozent waren die höchsten monatlichen Exporteinbußen rund um das Neujahrsfest bislang. Zwar war der Außenhandel noch im Januar recht kräftig – betrachtet man nun aber beide Monate zusammen, bleibt von diesem Schwung zum Jahresauftakt nichts mehr übrig. Die chinesische Exportkonjunktur ist im Vergleich zum Schlussquartal 2013 wohl auf der Stelle getreten.

Es ist bemerkenswert, dass China sich offenbar schwer tut, von der gegenwärtigen Erholung der Weltwirtschaft, die vor allem von den Industrieländern ausgeht, zu profitieren. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union sind die mit Abstand wichtigsten Handelspartner des Landes. China hat inzwischen aber auch seine Handelsbeziehungen mit anderen Schwellenländern ausgebaut, von denen einige in den vergangenen Monaten mit heftigen Währungsturbulenzen zu kämpfen hatten. Rund 10 Prozent von Chinas Exporten gehen mittlerweile nach Indien, Russland, Brasilien und andere „Emerging Markets“, deren Währungen zuletzt zum Teil kräftig abgewertet haben. Chinas Ausfuhren in diese Märkte sind im Februar besonders deutlich zurückgegangen.

Die aktuell schwächere Exportkonjunktur passt zu den Signalen, die wir seit einigen Wochen von den Stimmungsindikatoren aus der Industrie erhalten. Die Einkaufsmanagerindizes haben zuletzt eine weiter nachlassende Wachstumsdynamik für das laufende Quartal angedeutet, weshalb wir unsere Wachstumsprognose vor einigen Tagen auch leicht abgesenkt haben. Wir gehen nun davon aus, dass sich die chinesische Exportkonjunktur in diesem Jahr zögerlicher erholt als bislang erwartet. Die jüngsten Daten haben unser revidiertes Bild nun bestätigt. Gleichzeitig wird der Abbau von industriellen Überkapazitäten, ein Punkt, der ganz oben auf der Reformagenda der chinesischen Regierung steht, die Konjunkturerholung bremsen. Ein Konjunktureinbruch ist dies aber nicht. Mit 7,5 Prozent dürfte das Wachstum in diesem Jahr unseres Erachtens nur leicht unter dem Vorjahreswert liegen und die offiziellen Vorgaben – zumindest knapp – erfüllen. Gleichzeitig hat sich Peking mit einem größeren fiskalischen Spielraum die Hintertür offengehalten, das Wachstum notfalls mit Konjunkturstimuli anzuschieben – ähnlich wie im vergangenen Jahr.

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