Gründe für die momentane Schwäche von Zloty und Forint

Sowohl der ungarische Forint als auch der polnische Zloty zeigen sich derzeit gegenüber dem Euro in der Defensive. Während Euro-Forint das markante Hoch vom 20. Februar bei 314,80 HUF ins Visier nimmt, ist Euro-Zloty dabei, eine derzeit bei rund 4,2325 PLN verlaufende Widerstandslinie eines kurzfristigen Aufwärtstrendkanals zu überwinden. Als Gründe für die momentane Schwächephase wird besonders von Seiten der ungarischen Regierungs- und Notenbankvertreter gerne auf externe Faktoren verwiesen, welche das Sentiment der Schwellenländerwährungen belasten. Und tatsächlich dürften die Krim-Krise und auch die immer wieder enttäuschend ausfallenden chinesischen Konjunkturdaten die Nachfrage nach den tendenziell als risikoreicher geltenden EM-Währungen nicht gerade fördern.

Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, ausschließlich das globale Sentiment dafür verantwortlich zu machen, dass Forint und Co. derzeit eher wenig zu melden haben. Vielmehr kommen für die beiden osteuropäischen Währungen heimische Belastungsfaktoren hinzu. In Ungarn lastet z.B. der weiter nachlassende Preisdruck auf dem Forint, sind doch die Verbraucherpreise im Februar in der Kernrate nur noch um 2,8% (y/y) und damit deutlich schwächer als im Vormonat (+3,4%) angestiegen. Dies hat den bestehenden Leitzinssenkungsfantasien neuen Auftrieb verliehen. Dem Zloty macht hingegen die jüngste Konkretisierung der „Forward Guidance“ der dortigen Notenbank (NBP) das Leben schwer. Nachdem sie bislang angekündigt hat, den Leitzins bis Ende Juni unverändert bei 2,50% zu belassen, gab sie letzte Woche nun bekannt, die geldpolitischen Zügel bis Ende September nicht antasten zu wollen. Dies gefällt dem Zloty gar nicht. Wenngleich ihre verhaltenen Inflationserwartungen diese Haltung grundsätzlich rechtfertigen, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlich getreu dem Motto „Wehret den Anfängen“ versuchen, etwaige Leitzinserhöhungserwartungen für das zweite Halbjahr im Keim zu ersticken. So scheint man sich in Polen doch vermehrt Sorgen über einen im weiteren Jahresverlauf zu stark aufwertenden Zloty zu machen. Unserer Einschätzung nach dürften die beiden osteuropäischen Währungen auch in den kommenden Tagen weiter zur Schwäche neigen. In Polen sollten die morgen zur Veröffentlichung anstehenden CPI-Daten für Februar im Auge behalten werden. Sollten diese entgegen den allgemeinen Markterwartungen auf einen sich verstärkenden disinflationären Trend hindeuten, könnte dies Befürchtungen wecken, wonach Polen noch eine lange Phase historisch niedriger Leitzinsen bevorstehen könnte.

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