Ukraine-Krise: Wirtschaftssanktionen rücken näher

Die heutige Regierungserklärung von Kanzlerin Merkel hat noch einmal deutlich gemacht, dass in der Ukraine-Krise an Sanktionen gegen Russland wohl kaum noch ein Weg vorbeiführen wird. Zwar ist noch offen, wie intensiv die Einschränkungen auch den wirtschaftlichen Austausch zwischen den Ländern betreffen werden. Dass es aber dazu kommen wird, ist aus unserer Sicht sehr wahrscheinlich.

Denn unter den Szenarien für den weiteren Verlauf der Krise, die wir für plausibel halten, ist ein (allerdings begrenztes) „Sanktions-Szenario“ das mit Abstand wahrscheinlichste.

Szenarien für den weiteren Verlauf der Krise (mit abnehmender Wahrscheinlichkeit):

1. Wahrscheinlichstes Szenario: Die Krim bleibt unter russischem Einfluss, danach aber keine weitere Eskalation der Krise. Zu erwartende Folgen: Begrenzte Sanktionen des Westens gegen Russland und russische Antwort darauf, daneben begrenzter Ölpreisanstieg – insgesamt aber wohl nur leicht dämpfende Effekte auf die Konjunktur in EU bzw. Deutschland.

2. Eher unwahrscheinlich: Russland interveniert auch in der Ostukraine, militärischer Konflikt zwischen russischen und ukrainischen Truppen. Zu erwartende Folgen: Starke Sanktionen, erhebliche Einschränkung des Handels und der Direktinvestitionen, starker Ölpreisanstieg und merkliche Konjunkturdämpfung.

3. Unwahrscheinlich:  Russland zieht seine Truppen in die Kasernen zurück, Status der Krim wird wiederhergestellt (ukrainisch, begrenzte Autonomie). Zu erwartende Folgen: Keine Sanktionen, keine negativen Auswirkungen auf Konjunktur.

4. Sehr unwahrscheinlich: Konflikt eskaliert noch weiter, greift auch auf Nachbarländer über. Zu erwartende Folgen: Wie unter 2, nur noch deutlich intensiver – globale Krise und Rezession wohl unvermeidlich.

Die konkreten wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen lassen sich schwer absehen, sie werden im Szenario 1 aus unserer Sicht aber begrenzt bleiben und die wirtschaftliche Erholung in Deutschland und im Euro-Raum nicht grundlegend gefährden. Da sich jedoch der Außenhandel Deutschlands mit Russland im vergangenen Jahr auf ein Volumen von fast 80 Mrd. Euro belief und mehr als drei Prozent der deutschen Exporte und mehr als vier Prozent der deutschen Importe mit russischen Partnern abgewickelt werden, dürften die Folgen für die deutsche Wirtschaft auch nicht vernachlässigbar sein. Das gilt natürlich insbesondere für Unternehmen, die besonders stark im Russland-Geschäft aktiv sind.

Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass die russische Wirtschaft und die dortige Bevölkerung unter Wirtschaftssanktionen der westlichen Länder wesentlich stärker zu leiden haben werden als der Westen selbst. Denn die russische Wirtschaft ist kaum wettbewerbsfähig und sehr einseitig auf den Energiesektor ausgerichtet. Die russischen Energieexporte sorgen für mehr als die Hälfte der russischen Staatseinnahmen und machen etwa ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts aus, mehr als 80 Prozent davon gehen in den Westen. Insofern stellen wirtschaftliche Sanktionen von EU-Seite sicherlich ein erhebliches Druckmittel für die russische Führung dar.

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