Japan: Ist die Notenbank bei ihrem Inflationsziel weiter „auf Kurs“?

Japan meldet einen erneuten Anstieg seiner Inflationsrate. Die Headline Rate betrug im Februar +1,5 %, nach +1,4 % im Vormonat. Zum Vergleich: Noch im Mai letzten Jahres herrschte Deflation, mit landesweiten Teuerungsraten unter Null. Ist die extrem expansive Geldpolitik der Bank of Japan also erfolgreich und ist sie auf gutem Weg, ihr Inflationsziel von 2 % wie vorgesehen zum Beginn des nächsten Fiskaljahres, also bis April 2015, zu erreichen?

Die Crux bei den letzten Preisdaten aus Japan liegt darin, dass die Teuerung vor allem auf den drastisch gestiegenen Inlandspreisen für Energie und andere importierte Güter beruht. Deutlich wird dies am Vergleich mit der Kernrate: Ohne Energie und Nahrungsmittel gab es in den letzten Monaten zwar auch einen Aufwärtstrend bei der Teuerung. Der Wert für Februar von 0,7% liegt aber immer noch deutlich unter der Headline Rate, die alle Gütergruppen umfasst.

Die hohe Abhängigkeit von Energieimporten wird für Japan vorerst ein Problem bleiben, und damit werden auch die Verbraucherpreise auf absehbare Zeit von ihnen und den Wechselkursänderungen geprägt bleiben, die sich direkt in Japans Ölrechnung widerspiegeln. Bis Anfang des Jahres war es die enorme Yenabwertung, die sich nicht zuletzt aus der expansiven Geldpolitik ergab und die alle Importgüter stark verteuert hat. Immerhin hat der Yen 2013 um rund 17 % zum US-Dollar abgewertet. Seit Januar ist hier eine Seitwärtsbewegung erkennbar. Es ist für den Rest des Jahres zu erwarten, dass es beim Yen nicht noch einmal zu einer ähnlichen Abwertung wie 2013 kommt. Somit wird der Inflationsdruck daraus auch deutlich schwächer werden oder sich zeitweise sogar umkehren.

Ohnehin handelt es sich beim zuletzt sichtbaren Inflationstrend nicht um die „richtige“ Art der Inflation, die die Bank of Japan eigentlich anstrebt. Faktisch spiegelt er vor allem einen fortgesetzten Angebotsschock wider, der die reale Kaufkraft der Verbraucher schmälert und damit eben nicht deutlich größere Kauflust, Optimismus oder ein günstigeres Konsumklima auslöst oder reflektiert. Dort wo der höhere Importpreis nicht in den inländischen Endpreisen weitergegeben werden kann, verringert sich die Gewinnmarge der Unternehmen. Auch dies ist keine gute Voraussetzung, um mehr zu investieren und die Konsumenten zu höheren Ausgaben zu animieren. Hinzu kommen die Belastungen, die sich nun ab April aus der Anhebung der Konsumsteuer von 5 auf 8 % ergeben. Diese wird die Inflationsrate „künstlich“ anheben, wenn auch nicht im vollen rechnerischen Umfang. Denn die Nachfrage nach Konsumgütern wird sich im Sommerhalbjahr damit wohl deutlich abschwächen. Von nachfragegetriebenem Preisdruck nach oben und dynamischer Konsumlust kann also vorerst keine Rede sein, eher von „externen“ Kostenschüben für die Verbraucher.

Positiv für Japans Konjunktur und die Erreichung des Preiszieles der Notenbank ist zumindest die Tatsache, dass sich nun endlich mehr und mehr Unternehmen dazu durchringen, Nominallohnerhöhungen zu gewähren. Im Durchschnitt werden es dieses Jahr +1 bis 2 % sein. Damit ist eine gute Voraussetzung gegeben, dass sich im Zuge höherer Einkommen die Inflationserwartungen dauerhaft nach oben schieben und damit endlich der erwünschte „positive Zirkel“ aus Kauflust, Investitionstätigkeit, Einkommen und Beschäftigung ausgelöst wird. Dieser Zirkel ist auch nach über einem Jahr „Abenomics“ noch nicht recht erkennbar.

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