Der Staat teilt aus

Es kommt Bewegung in die Löhne in Deutschland. Und zwar nach oben. Zum einen: Der gesetzliche Mindestlohn kommt, die Bundesregierung hat ihn auf den Weg gebracht. Er wird im Bereich der Niedrigverdiener für z.T. kräftige Gehaltserhöhungen sorgen, aber sicherlich auch für neue Arbeitslose. Vor allem im Bereich der persönlichen Dienstleistungen, also etwa im Frisörhandwerk, bei Taxifahrern und im Fremdenverkehrsgewerbe, aber auch in der Landwirtschaft wird der Mindestlohn die Kosten erheblich nach oben treiben. Viele betroffene Betriebe werden sicherlich versuchen, über entsprechende Preiserhöhungen die Belastungen an die Verbraucher weiterzugeben. Die, denen das nicht gelingt, werden aufgeben müssen.

Daneben sorgt der Staat auch bei den eigenen Bediensteten, die kaum vom Mindestlohnbeschluss betroffen sein dürften, für gute Laune. Die Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst, die für die 2,1 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen Einkommenssteigerungen um insgesamt 5,7% vorsieht, legt die Latte auch für die Privatwirtschaft sehr hoch. Vor allem im Bereich der niedrigen Einkommen, wo sich der vereinbarte Sockelbetrag von 90 Euro und die Gehaltssteigerung auch für 2015 auf eine Tariferhöhung um insgesamt 8,2% summieren.

Offensichtlich ist es das Ziel der Regierung, die Spreizung der deutschen Lohnstruktur durch überdurchschnittlich starke Anhebungen im unteren Bereich zu verringern. Doch betrifft bereits heute die Arbeitslosigkeit vor allem die Gruppe der wenig Qualifizierten. Für sie wird es in Zukunft sicherlich noch schwieriger werden, einen der gut bezahlten Jobs zu ergattern.

Die mit den höheren Löhnen verbundenen Kostensteigerungen verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen. Auch für die Privatwirtschaft setzt der Abschluss im öffentlichen Dienst eine Marke. Im europäischen Ausland dürfte daher neben den verständlichen Neid auf die komfortable Situation der Beschäftigten in Deutschland auch Genugtuung treten: Wenn es so weitergeht, könnte es mit der Dominanz der deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb bald vorbei sein.

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