Marktakteure hoffen auf ein QE-Programm der EZB

Die Ausführungen von EZB-Chef Draghi im Rahmen der jüngsten Zinssitzung hallen weiter nach, wird doch an den Finanzmärkten derzeit intensiv über ein mögliches „Quantitative Easing“ der Notenbank debattiert. In ihrem Basisszenario rechnen die Währungshüter zwar mit einem über einen längeren Zeitraum niedrigen Preisauftrieb, doch nicht mit einem absolut rückläufigen Preisniveau in der Eurozone. Nichtsdestotrotz scheinen die Notenbank-Oberen für den Fall gewappnet sein zu wollen, falls sich der Preisauftrieb in den kommenden Monaten wider Erwarten weiter rückläufig entwickeln sollte. Im Kampf gegen potenzielle Deflationsgefahren gilt hierbei ein Anleiheankaufprogramm als Mittel der Wahl.

Medienberichte, wonach die EZB bereits eine Modellrechnung zu den Auswirkungen einer solchen Liquiditätsspritze auf die Teuerungsentwicklung durchgeführt habe, beflügeln momentan die Hoffnungen der Marktakteure. Nach Ausführungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wurde in dieser EZB-Modellrechnung mit einem Anleiheankaufvolumen von einer Milliarde Euro kalkuliert. Die Auswirkungen auf die Teuerungsentwicklung scheinen in diesem Gedankenspiel allerdings nicht eindeutig. So berichtet die FAZ, dass die Liquiditätsausweitung in einem Szenario lediglich zu einem Anstieg der Teuerung um 0,2 Prozentpunkte geführt habe. In einem Alternativszenario betrug dieser hingegen 0,8 Prozentpunkte.

Auch wenn die Marktakteure von der Aussicht auf eine Geldspritze der Notenbank angetan sind, zeigt das Ergebnis der EZB-Modellrechnung, dass die Wirksamkeit eines QE-Programms im Kampf gegen potenzielle Deflationsgefahren alles andere als ausgemachte Sache ist. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Notenbank diese Handlungsoption zunächst in der Hinterhand behalten wird und darauf setzt, dass die Teuerung in den kommenden Monaten wieder etwas anzieht. In diesem Zusammenhang richtet sich der Fokus der Marktakteure auf den 30. April, veröffentlicht doch EuroStat zu diesem Termin die nächste Schnellschätzung zur Teuerung. Einstweilen bleibt den Märkten die Hoffnung auf weitere EZB-Maßnahmen, doch wächst unserer Einschätzung nach das Enttäuschungspotenzial.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *