Deutsche Konjunktur: Gegenwind wird 2015 stärker

Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland wird dieses Jahr zu einer kräftigen Wachstumsbeschleunigung führen, doch die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung sorgen im kommenden Jahr zunehmend für Gegenwind. Vor allem die Einführung des Mindestlohns und die abschlagsfreie Rente ab 63 werden die Wirtschaftsentwicklung und den Arbeitsmarkt belasten. Das sind die Kernaussagen des Gutachtens, das die Wirtschaftsforschungsinstitute aus der „Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose“ heute veröffentlicht haben.

Das heimische Wirtschaftswachstum dürfte gemäß der Analyse der Institute 2014 und 2015 jeweils rund 2% betragen, das ist gegenüber dem vergangenen Jahr (+0,4%) eine kräftige Beschleunigung. Dazu trägt die Konjunkturerholung in anderen Industrieländern wie den USA bei, aber vor allem auch die kräftige Binnennachfrage in Deutschland. Da der Arbeitsmarkt fest ist und die Einkommen steigen, wird der private Konsum eine wichtige Wachstumsstütze sein. Die Unternehmen sind nach dem Abflauen der Euro-Krise auch wieder zu mehr Investitionen bereit. Insofern ist das gesamtwirtschaftliche Umfeld derzeit ausgesprochen günstig.

Neben globalen Risiken wie etwa der Ukraine-Krise oder den Schwierigkeiten in wichtigen Schwellenländern sehen die Forschungsinstitute aber die deutsche Wirtschaftspolitik zunehmend als Belastung für den weiteren Konjunkturaufschwung. Spätestens im Jahr 2015 werden die negativen Effekte spürbar sein. Die Institute sprechen hier Klartext: Aufgrund der Einführung des Mindestlohns werden im kommenden Jahr rund 200.000 Arbeitsplätze verlorengehen. Das Wachstum wird gedämpft und die Inflation aufgrund der steigenden Lohnkosten angefacht. Darüber hinaus konterkariert die abschlagsfreie Rente ab 63 die Bemühungen, die Rentenversicherung „demografiefest“ zu machen und wird für eine Dämpfung des Produktionspotentials sorgen, die den Wohlstand auch auf längere Sicht belastet.

Im Hinblick auf die jüngsten Entscheidungen der großen Koalition und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen fällt das Urteil der Sachverständigen also ausgesprochen kritisch aus. Indem der Arbeitsmarkt durch den Mindestlohn wieder stärker reguliert wird und mit der Rente ab 63 eine Rolle rückwärts in Bezug auf Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit gemacht wird, weisen wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen der Regierung in die falsche Richtung. Sie schwächen mittel- bis langfristig die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und drohen, in Zukunft sogar eine Interventionsspirale in Gang zu setzen.

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