Devisen: Ukraine erhöht Leitzins um 300 Bp auf 9,5% nach weiterer Destabilisierung durch prorussische Demonstranten

Die Zuspitzung der finanziellen Lage nach der deutlichen Anhebung der Gaspreise durch Russland und die Eskalation der Auseinandersetzung mit prorussischen Demonstranten im Osten der Ukraine hat die Abwertung der Landeswährung der Ukraine in den letzten Tagen dramatisch verschärft. Zur Verteidigung der Landeswährung Hrywnja folgte die Notenbank in Kiew dem Vorgehen der russischen Notenbank oder der Notenbank in der Türkei, indem über Nacht die Leitzinsen deutlich angehoben wurden. Mit einem Zinssprung um 300 Bp auf 9,5% konnte zumindest kurzfristig ein weiterer Anstieg von EUR-UAH bei aktuell rund 12,70 UAH gestoppt werden. Mit dem Schritt will die Notenbank nach eigenen Angaben die Inflation, die in diesem Jahr laut Regierung auf 14% steigen soll, bekämpfen und den Geldmarkt stabilisieren.

Die Lage in der Ostukraine ist nach Auseinandersetzungen in den letzten Tagen weiter eskaliert, so dass ein Bürgerkrieg droht. Ein Krisengipfel zwischen Vertretern Russlands, der Ukraine, der EU und den USA ist für diesen Donnerstag (17.4.) geplant. Nachdem ein Ultimatum der Regierung, das prorussische Demonstranten zur Räumung der besetzten Verwaltungsgebäude auffordert, am Montag ergebnislos abgelaufen, bleibt die Lage weiter extrem angespannt. Es kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommt. Präsident Putin hatte die Genehmigung vom Parlament mit seinen Truppen in die Ukraine einzumarschieren, falls Russen in Gefahr seien. Es bleibt die Frage, ob bis zu den geplanten Präsidentschaftswahlen am 25. Mai von russischer Seite Fakten geschaffen werden sollen. Die Entwicklung in der Ostukraine ähnelt aktuell sehr stark dem Vorgehen bei der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland.

Die Entscheidung der ukrainischen Notenbank ist auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage als Verzweiflungstat zu werten. Russland hat letzte Woche angekündigt aufgrund ausstehender Gas-Rechnungen in Milliardenhöhe, die Lieferung des Energieträgers zu stoppen. Am Montag stimmten die EU-Außenminister einer ersten Finanzhilfe in Höhe von einer Milliarde Euro für die vom Staatsbankrott bedrohte Ukraine zu. Ein finanzielles Hilfspaket von EU und  IWF unter Beteiligung von Russland ist in Planung. Der IWF wird erst Ende April oder Anfang Mai über das Hilfspaket, das an Reformschritte gebunden sein wird, entscheiden.

Die Zinsanhebung ist unserer Meinung nach ein Signal an die Märkte, dass die Zentralbank handlungsfähig ist. Im Gegensatz zu Notenbanken in Russland oder der Türkei, die mit ihrer mutigen Zinsanhebung den Ausverkauf der Landeswährung erfolgreich stoppen konnten, ist es jedoch mehr als fraglich, ob der ukrainischen Notenbank dies gelingt. Die Situation in der Ukraine ist nicht vergleichbar mit anderen Emerging Markets-Ländern. Immerhin geht es den nächsten Tagen um Alles oder Nichts. Also darum, ob die Ukraine in einen Bürgerkrieg abgleitet und als Ergebnis der Osten oder weite Teile des Landes von Russland annektiert werden. Ohne ein internationales finanzielles Hilfspaket könnte unabhängig davon bald die Zahlungsunfähigkeit der Ukraine drohen. Die Zinsentscheidung der Notenbank wäre dann nichts anderes gewesen, als ein Tropfen auf den heißen Stein.

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