Euro: stark, stärker, zu stark?

Globale Geldpolitik hält uns weiterhin in Atem, und nicht nur, was die Fed betrifft, sind die Unsicherheiten groß. So war die jüngste EUR/USD-Abwertung klar der EZB geschuldet, die nicht nur die Drohkulisse weiterer (unkonventioneller) geldpolitischer Maßnahmen aufrecht erhält, sondern sich zusätzlich den Euro als mögliches Ziel auserkoren zu haben scheint. Diverse Kommentare EZB-Offizieller haben deutlich gemacht, dass EUR/USD-Kurse um die 1,40 USD in Frankfurt nicht gerne gesehen werden. Aber ist die Aufwertung des Euro tatsächlich (noch) eine so große Gefahr für das Preisniveau in der Eurozone? Oder ist der Euro nur ein willkommener Sündenbock, der herhalten muss für die augenscheinliche Unfähigkeit der EZB, die disinflationären Tendenzen in der Eurozone zu bekämpfen?

Tatsache ist, dass die Aufwertung des Euro zu fallenden Preissteigerungen in der Eurozone beigetragen hat und dies auch nach wie vor tut. Tatsache ist aber auch, dass die Aufwertung des Euro auf handelsgewichteter Basis auf heutigen Niveaus weit davon entfernt ist, aus dem historischen Rahmen zu fallen. Der momentane Fokus auf den Wechselkurs scheint daher überzogen.

Die EZB wäre natürlich nicht die erste Zentralbank, die in einer solch scheinbar ausweglosen Situation ihr Glück in einer schwächeren Währung sucht, doch auch hier stünde die EZB potentiell vor einem Problem: Verbale Intervention alleine wird im Notfall nicht ausreichen, und tatsächliche Intervention ist zum jetzigen Zeitpunkt kaum zu rechtfertigen (man erinnere sich: die EZB hat kein Wechselkursmandat). Bleibt die Möglichkeit weiterer unkonventioneller Maßnahmen, die sich sicherlich erst mal negativ auf den Wechselkurs auswirken würden. Aber auch hier gäbe es keine Garantie eines dauerhaft niedrigeren Euro. Die EZB ist unserer Ansicht nach besser beraten, die Füße still zu halten.

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