China: Konjunktur zuletzt schwächer – leichte Wachstumsbeschleunigung aber absehbar

Dass die chinesische Konjunktur zum Jahresauftakt weiter an Schwung verloren hat, haben die verhaltenen Stimmungsindikatoren und schwache Daten aus Industrie, Einzel- und Außenhandel in den vergangenen Wochen bereits erahnen lassen. Die aktuellen BIP-Zahlen des chinesischen Statistikamts bestätigen nun die langsamere Gangart im ersten Quartal dieses Jahres: Mit 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist Chinas Wirtschaftsleistung sogar so schwach gewachsen wie seit 18 Monaten nicht mehr. Angesichts niedriger Erwartungen wurden die Zahlen an den Finanzmärkten dennoch mit Erleichterung quittiert.

Die Sorgen, dass der Abschwung in China anhält, dürften sich aber so schnell nicht zerstreuen. Gegenüber dem Vorquartal hat sich das BIP-Wachstum seit dem letzten Sommer deutlich verlangsamt. Aufs Jahr hochgerechnet entspricht der jüngste Wert einem Wachstum von rund 5 Prozent. Soll das Regierungsziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr annähernd eingehalten werden, muss das Wachstum im weiteren Jahresverlauf wieder anziehen.

Der aktuelle Datenkranz enthält aber auch einige positive Entwicklungen, die auf eine Stabilisierung der chinesischen Konjunktur hindeuten. So hat sich die Industrieproduktion im März wieder etwas beschleunigt – im monatlichen Verlauf von 0,6 auf 0,8 Prozent. Damit hat die Industrie wieder die Wachstumsdynamik vom Spätsommer 2013 erreicht, als Peking mit einem kleinen Paket von Fiskalmaßnahmen die Konjunktur angeschoben hat. Auch vor wenigen Wochen hat die chinesische Regierung beschlossen, einige Infrastrukturprojekte beschleunigt umzusetzen. Der jüngste Anstieg in der Industrie könnte bereits auf einen erneuten „Mini-Stimulus“ zurückgeführt werden. Bei den staatlichen Investitionen zeigte sich zuletzt ebenfalls wieder eine leichte Beschleunigung.

Erste positive Zeichen kommen auch vom Außenhandel. Im zurückliegenden Quartal haben schwache Exporte das Wachstum zwar noch belastet. Wie stark, ist aber aufgrund der Verzerrungen durch das Neujahrsfest und überhöhte Werte vom Vorjahr schwer abzuschätzen. Jüngste Umfragewerte zeigen nun wieder eine zuversichtlichere Einschätzung der Exportperspektiven, und auch die sichtbare Abwertung des Yuan sollte die Ausfuhren in den kommenden Monaten stützen.

Wir rechnen deshalb im weiteren Jahresverlauf mit einer stabilen Wachstumsentwicklung in China, gestützt vor allem von der anziehenden Exportkonjunktur und kleineren Fiskalmaßnahmen. Größeren Konjunkturpaketen hat Peking zuletzt zu Recht eine Absage erteilt. Trotzdem wird die chinesische Regierung nicht riskieren wollen, dass das angepeilte Wachstumsziel von 7,5 Prozent deutlich unterschritten wird. Wir rechnen deshalb für dieses Jahr mit einem Wachstum von 7,5 Prozent, im kommenden Jahr dann mit 7,2 Prozent.

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