Türkische Lira: Notenbank tastet Zinsniveau wie erwartet nicht an

Die türkische Zentralbank (CBRT) hat den Leitzins auf ihrer jüngsten Notenbanksitzung unverändert bei 10% belassen. Als Grund dafür ist zum einen der nach wie vor hohe und zunächst noch weiter steigende Inflationsdruck zu nennen. Zum anderen spricht die noch auf wackeligen Beinen stehende Stabilisierung der Lira gegen eine geldpolitische Lockerung zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Zu guter Letzt ist der politische Druck zu nennen, dem sich die CBRT auch dieses Mal nicht gebeugt hat. Die türkischen Verbraucherpreise sind im März erneut angestiegen und entfernten sich damit weiter von dem mittelfristigen Inflationsziel der CBRT. Die Zentralbank geht davon aus, dass die Inflation noch bis Mai zulegen dürfte. Danach sollten erste Anzeichen eines allmählich moderat nachlassenden Preisdrucks erkennbar werden. Für den Vorsitzenden der CBRT, Erdem Basci, stellt ein deutlich aufgehellter Inflationsausblick die Voraussetzung für eine Lockerung der geldpolitischen Zügel dar. Im aktuellen Umfeld kann hiervon keine Rede sein.

Unserer Ansicht nach steht die derzeit zu beobachtende Stabilisierung der Lira auf wackeligen Beinen und hätte durch eine Senkung der Leitzinsen einen herben Rückschlag erleiden können. Als potenziell Lira-belastende Faktoren sind im aktuellen Umfeld neben dem politischen Risiko auch die konjunkturellen Abwärtsrisiken des Landes sowie ein sich erneut global eintrübendes Emerging-Markets-Sentiment zu nennen. Als Voraussetzung für moderate Leitzinssenkungen ist eine nachhaltige Stabilisierung oder gar eine Befestigung der Lira zu nennen.

Die Geldpolitik der CBRT ist Ministerpräsident Erdogan ein Dorn im Auge. Er fordert die Notenbank immer wieder zu Leitzinssenkungen auf. CBRT-Chef Basci zeigt dem Ministerpräsidenten jedoch die kalte Schulter und betont, dass die Zentralbank alleine über den Zeitpunkt des nächsten geldpolitischen Schrittes entscheiden wird. Mit dem Nicht-Handeln der CBRT hat sich die Notenbank einmal mehr gegen eine politische Einmischung gewährt. Damit stärkt die Zentralbank nicht nur ihre Reputation und Unabhängigkeit, sondern trägt zusätzlich zur stärkeren Lira im Nachgang der Notenbanksitzung von etwa 2,9422 TRY bei.

Unserer Ansicht nach sind als Voraussetzungen für moderate Leitzinssenkungen neben einem sich abzeichnenden Rückgang der Inflation auch eine nachhaltige Stabilisierung der Lira zu nennen. Wir gehen davon aus, dass die türkische Notenbank nicht vor dem vierten Quartal 2014 einen solchen Schritt unternehmen wird.

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