M&A-Markt 2014: Deals, Deals, Deals… ein Warnzeichen für Investoren?

Im vergangenen Jahr stiegen die Aktienmärkte um bis zu 30%, während das Volumen am Markt für Übernahmen und Fusionen („M&A“) seitwärts tendierte. Dies war eine Überraschung, schließlich war 2013 die Ausgangslage für potenzielle Käufer aufgrund der soliden Unternehmensbilanzen und ausgezeichneter Refinanzierungsmöglichkeiten vielleicht besser als je zuvor. Wahrscheinlich waren es die Unsicherheiten über den Fortgang des Quantitative Easings und der Konjunktur, die den Markt bremsten.

Jüngst hat der M&A-Markt jedoch deutlich an Fahrt aufgenommen. Astra Zeneca, Allergan, Forest Labs, Lafarge, Time Warner und vielleicht bald Alstom heißen die Ziele, die Kaufinteressenten derzeit ins Visier nehmen. In diesem Jahr wurden laut Bloomberg-Angaben bis dato Übernahmen und Fusionen im Wert von 1,3 Billionen USD verhandelt. Dies entspricht einem Volumenanstieg von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist der höchste Wert für die ersten vier Monate eines Jahres seit dem Boomjahr 2007.

Die Struktur des Käufermarktes hat sich heute gegenüber 2007 deutlich geändert. Waren vor sieben Jahren noch viele Finanzinvestoren aktiv, sind es heute maßgeblich Industriekäufer, die Übernahmeziele suchen. Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Finanzierung der Deals. 2007 wurden zwei Drittel aller Übernahmen in „Cash“ bezahlt, in diesem Jahr erfolgen Übernahmen „gegen Bares“ nur noch bei jeder zweiten Transaktion. Deutlich gestiegen ist in diesem Jahr hingegen die Quote der Übernahmen, bei denen mit eigenen Aktien bezahlt wird. Dies ist eine überraschende Entwicklung, schließlich weist der überwiegende Teil der Unternehmen solidere Bilanzkennzahlen und bessere Refinanzierungsmöglichkeiten als vor sieben Jahren auf und könnte insbesondere die hohen Cashbestände nutzen.

Für Investoren stellt sich nun die Frage, wie es 2014 am M&A-Markt weitergehen wird und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Unsere Einschätzung dazu ist, dass sich die jüngste Belebung am Übernahmemarkt fortsetzen dürfte. Dafür sprechen folgende Argumente:

  1. Die ökonomischen Rahmenbedingungen 2014/15 bieten eine höhere Transaktions- und Planungssicherheit als in den Vorjahren,
  2. Die Bilanzrelationen der Unternehmen sind äußerst solide und die Gesellschaften sitzen auf gut gefüllten Kassen. Speziell US-Firmen könnten Zahlungsmittel ausländischer Tochtergesellschaften für Übernahmen nutzen, um eine Besteuerung bei der Repatriierung der Mittel zurück in die USA zu umgehen,
  3. Die Bewertung der (großen) Unternehmen an der Börse ist noch nicht so ausgereizt wie 2000 oder 2007,
  4. Das niedrige Kapitalmarktzinsniveau ermöglicht gute Refinanzierungskonditionen und macht Kassenhaltung unattraktiv und
  5. Die Gewinn- und Börsenaussichten bleiben positiv, wobei bei vielen Unternehmen jedoch der Eintritt in eine Phase schwächeren organischen Wachstums bevorsteht, so dass der Trend zunehmend in Richtung Zukäufe gehen könnte.

In der Vergangenheit war häufig zu beobachten, dass der M&A-Markt in Aufwärtsphasen einer gewissen Eigendynamik unterliegt, welche den Markt immer weiter antreibt und zu immer größeren Übernahmen führte, bevor der Markt für Übernahmen und Fusionen letztendlich Hand in Hand mit einer Korrektur des Gesamtmarktes einbrach. Weil die M&A-Aktivitäten üblicherweise am Ende einer Börsenhausse ihren Höhepunkt finden, empfiehlt sich Anlegern eine genaue und fortlaufende Beobachtung dieses Marktes, weil dieser ein wichtiger Indikator für eine mögliche Topbildung der Aktienmärkte darstellen kann. Sollte sich die aktuelle Entwicklung auch im zweiten Halbjahr 2014 fortsetzen, wäre dies aus unserer Sicht ein weiteres Warnzeichen für eine mögliche Korrektur der ohnehin nicht mehr günstigen Aktienmärkte!

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