Britische Wachstumsrate klettert über 3 Prozent

Noch kann die britische Wirtschaft ihr hohes Wachstumstempo halten: Das Office for National Statistics (ONS) geht für das erste Quartal dieses Jahres von einem Wachstum der Wirtschaftsleistung in Höhe von 0,8 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2013 aus. Das ist der vierte Anstieg in dieser Größenordnung in Folge. In der Jahresrate kletterte das Wachstum auf 3,1 Prozent und lag damit erstmals seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder über 3 Prozent.

Das kräftige Wachstum zieht sich durch fast alle Bereiche der Wirtschaft. Den größten Beitrag hat aber erneut der Servicesektor geliefert, und das nicht nur aufgrund seines dominanten Gewichts in der britischen Wirtschaft. Vieles spricht dafür, dass dies vor allem an der gestiegenen Ausgabenfreude der Verbraucher lag. Konsumnahe Dienstleistungen sind im zurückliegenden Quartal besonders kräftig gewachsen. Auch der starke Anstieg der Einzelhandelsumsätze weist auf einen lebhaften Privatkonsum hin. Und das Verbrauchervertrauen ist inzwischen auf den höchsten Stand seit über 15 Jahren geklettert.

Die britischen Verbraucher sind wieder der wichtigste Stützpfeiler für die Konjunktur des Landes – so wie vor der Krise. Dagegen hatte der Konsum in den ersten Folgejahren nach der Rezession kaum Wachstumsimpulse liefern können, wodurch die Erholung der britischen Wirtschaft entscheidend gebremst wurde. Noch immer hat Großbritannien das Vorkrisenniveau seiner Wirtschaftsleistung nicht wieder erreicht. Inzwischen freuen sich die Briten aber über eine spürbare Verbesserung am Arbeitsmarkt, Kredithilfen für den Hauskauf und Wertsteigerungen ihrer Immobilien.

Ungetrübt ist dieser Aufschwung aber nicht: Nicht nur, dass er auf einem Wiederanstieg der ohnehin hohen Verschuldung der privaten Haushalte fußt. Damit steigen wieder genau die Stabilitätsrisiken, die zum Ausbruch der Finanzkrise geführt haben. Außerdem hat sich die dynamische Konjunkturerholung mittlerweile in einer kräftigen Aufwertung der britischen Währung niedergeschlagen. Handelsgewichtet hat das Pfund in den vergangenen 12 Monaten mehr als 8 Prozent an Wert gewonnen. Die Folgen beim Außenhandel sind offenkundig: Seit Mitte letzten Jahres sinken die britischen Warenausfuhren deutlich. Auch für das zurückliegende Quartal zeichnet sich ein negativer Außenbeitrag ab. Das Leistungsbilanzdefizit hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal signifikant ausgeweitet. Ende letzten Jahres lag es bei über 5 Prozent der Wirtschaftsleistung – so hoch war es seit Anfang der 70er Jahre nicht.

Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstumstempo der britischen Wirtschaft in den kommenden Monaten allmählich verlangsamen wird, vor allem durch die Bremseffekte des Außenhandels, die im Jahresverlauf weiter zunehmen werden. Auch bei zahlreichen Umfragewerten deutet sich an, dass die Unternehmen Abstriche von ihrer zuvor sehr optimistischen Einschätzung vornehmen. Insgesamt wird das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr aber robust bleiben und aufgrund des schwungvollen Jahresauftakts eine Rate von 2,6 Prozent erreichen – den höchsten Wert seit sieben Jahren.

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