Bank of Japan sieht schwächeres Wachstum

Die Bank of Japan hat ihren Wachstumsausblick für Japans Wirtschaft nach unten revidiert. Im laufenden Fiskaljahr (ab 1. April) sollte die Wirtschaft ein Wachstumstempo von rund 1,1 % erreichen. Dies ist etwa ein Viertelprozentpunkt weniger als noch zu Jahresbeginn von der BoJ erwartet. Ihre Wachstumsprognosen für die folgenden zwei Fiskaljahre sind mit Werten von +1,5 % (Fiskaljahr 2015) bzw. 1,3 % (Fiskaljahr 2016) praktisch unverändert geblieben.

Mit diesen Werten würde Japan immer noch ein Wachstum über seiner derzeitigen Potenzialrate erzielen und eine bestehende negative Outputlücke langsam schließen. Am derzeit festen Arbeitsmarkt lässt sich dies gut ablesen. Immerhin ist die Arbeitslosenquote mit 3,6 % zuletzt auf ein neues zyklisches Tief gefallen. Sowohl die kurzfristige Reaktion der Verbraucher auf die Anhebung der Konsumsteuer am 1. April als auch eine schwächer als erwartete Exporterholung dämpfen den Konjunkturaufschwung aber nun erst einmal. Die steuerbedingte Konsumschwäche dürfte im laufenden Frühjahrsquartal zu einer im Vergleich zum Vorquartal rückläufigen Wirtschaftsleistung führen. Die Kaufunlust der privaten Haushalte ist verständlich, zumal sich die Unternehmen lange Zeit gelassen haben, endlich nominale Lohnerhöhungen zu gewähren.

Für den Großraum Tokyo liegen bereits Aprildaten der Inflation vor. Unter Einschluss der höheren Konsumsteuer lagen die Preise hier um 2,7 % über dem Vorjahr. Im März betrug diese Rate in Tokyo noch 1,3 %. Dies bedeutet: Nicht alle Einzelhändler waren in der Lage, den Steueraufschlag von 5% auf 8% in ihren Verkaufspreisen voll an die Endverbraucher weiterzugeben. Rein rechnerisch hätte die Inflation noch rund einen Prozentpunkt höher ausfallen können. So oder so: Die Lohnerhöhungen werden erst einmal nicht ausreichen, die steuerbedingten Preiserhöhungen aufzufangen. Ergo: Das real verfügbare Einkommen der Privathaushalte ist zuletzt gesunken. In diesem Umfeld bleibt auch kein Raum für dynamische Preissteigerungen, sieht man einmal von wechselkursbedingten Importpreiserhöhungen ab. Die Bank of Japan erwartet für die kommenden zwölf Monate denn auch eine – um die Konsumsteuereffekte bereinigte – Inflationsrate von rund 1 ¼ %. Diese Rate liegt in etwa im gleichen Rahmen wie die Teuerungszahlen der letzten sechs Monate.

Die Herausforderung für die Notenbank und die Regierung, die gemeinsam in die Politik der „Abenomics“ eingebunden sind, ist es, dafür zu sorgen, dass es neben der temporären Konsumschwäche nicht auch noch zu einer längeren Investitionsschwäche in Japan kommt. Das Zahlentableau der Notenbank zu den mittelfristigen Wachstumseinschätzungen belegt aber, dass sie in diesem Punkt immer noch relativ optimistisch ist. Immerhin wird ja bald noch ein Fiskalpaket zum Tragen kommen, das über zusätzliche Ausgaben und Steuererleichterungen für die Unternehmen das Wachstum nach unten absichern kann. Trotz der nun etwas gemäßigteren Wachstumseinschätzungen ergeben sich aus den Argumenten des jüngsten Wirtschaftsberichtes keine Anhaltspunkte für zusätzliche Kurzfristmaßnahmen der BoJ.

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