Inflation im Euroraum: Ostern treibt die Preise – aber nicht sehr stark

Die Verbraucherpreise sind im Euro-Raum im April wieder etwas stärker angestiegen. Die harmonisierte Jahresrate bleibt nach vorläufigen Zahlen von Eurostat mit 0,7 Prozent jedoch weiterhin schwach. Immerhin konnte sich die Rate nach dem schwachen Vormonat mit 0,5 Prozent wieder leicht beschleunigen. Hintergrund für das markante Auf und Ab in der Inflationsrate im März und April ist der saisonale Ostereffekt.

Denn im jeweiligen Ostermonat steigen die Preise in der Regel etwas stärker als gewöhnlich an, was vor allem mit anziehenden Preisen in der Tourismusbranche zusammenhängt. Und in diesem Jahr fiel Ostern in den April, während es im vergangenen Jahr im März lag. Wird der direkte Vergleich von April 2014 (Ostermonat) mit April 2013 (kein Ostermonat) gezogen, dann treibt das die Inflationsberechnungen nach oben. Anders als im vergangenen Monat, als sich die Rate deutlich auf 0,5 Prozent abkühlte.

Was die Komponenten der Inflationsrate angeht,  konnten vor allem die Dienstleistungspreise stärker zulegen. Im April erreichten sie eine jährliche Zuwachsrate von 1,6 Prozent, nach 1,1 Prozent im März. Hingegen ging es für die Energiepreise mit -1,2 Prozent erneut abwärts, auch wenn der Abwärtsdruck nicht mehr so hoch war wie noch im Vormonat mit -2,1 Prozent. Die Raten für Lebensmittel und Industriegüter ohne Energie blieben schwach bei 0,1 Prozent bzw. 0,7 Prozent.

In Deutschland kletterte die harmonisierte Inflationsrate im April auf 1,1 Prozent. Damit steigt die Rate zwar gegenüber dem Vormonat etwas an (März: 0,9 Prozent), lag jedoch hinter den Erwartungen (Konsensschätzung: 1,3 Prozent). Preistreibend wirkten sich auch hier Dienstleistungen und Nahrungsmittel aus, während die Energiepreise weiter rückläufig waren.

Mit Blick auf die kommenden Monate und die anhaltende Deflationsdiskussion bereitet besonders der recht hohe Euro-Wechselkurs etwas Sorge. In vielen Euroländern machen sich bereits sinkende Importpreise bemerkbar. Sollte sich der starke Euro weiterhin auf hohem Niveau behaupten und die Inputpreise kräftiger sinken, könnte sich das mittelfristig auf eine verlangsamte Kernrate durchschlagen. Darüber hinaus dürfte sich dann der Trend sinkender Energiepreise länger halten als bisher angenommen. Derzeit sehen wir allerdings beim Euro noch kein kritisches Niveau erreicht.

Fazit: Die negativen Basiseffekte aufgrund der Energiepreise dürften im weiteren Jahresverlauf an Einfluss auf die EWU-Inflationsrate verlieren. Gegen Jahresende erwarten wir dank der sich verbessernden Konjunkturaussichten für den Euro-Raum wieder eine allmähliche Beschleunigung der Teuerungsrate.

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