Spanien: Gefallene Renditen ein Strohhalm für die Staatsfinanzen

Die positiven Marktentwicklungen in den vergangenen Monaten haben wir zum Anlass genommen, die Schuldentragfähigkeit Spaniens einer Analyse zu unterziehen und diese den Ergebnissen aus dem vergangenen Jahr gegenüberzustellen.

Während sich gegenüber dem Vorjahr kaum Änderungen bei den Wachstumsaussichten für Spanien bis zum Jahr 2020 ergeben und die hohen Sozialausgaben sowie die geringe Steuerkraft des Landes einen langen Atem beim Abbau des Primärdefizits erfordern, könnte vor allem der weitaus schnellere und stärkere Rückgang der Risikoprämien Spanien zugutekommen.

Im Vergleich zu früheren Annahmen dürfte der Anstieg der spanischen Verschuldung in den kommenden Jahren mit geringerer Geschwindigkeit vonstattengehen. Allerdings wird es auch bei günstigeren Spreadannahmen als vormals mindestens bis zum Jahr 2018 dauern, bis Spanien den Gipfel der Schuldenstandsquote erreicht, da erwartungsgemäß steigende Bundrenditen selbst im Idealfall den Spreadeffekt überkompensieren. Weiteten sich die Spreads hingegen wieder aus, dürften die Sparbemühungen nicht ausreichen, um den Anstieg der Schuldenstandsquote zu stoppen. Sollte Spanien seine jetzigen Sparbemühungen nicht aufrechterhalten und nähme man unveränderte Einnahmen und Ausgaben auf dem für 2014 geschätzten Niveau an, liefe Spaniens Schuldenstandsquote sogar Gefahr, bei sonst unveränderten Annahmen bis 2020 deutlich stärker auf ca. 130% des BIP anzusteigen.

Sollten sich der Trend der positiven Marktentwicklung und geringeren Risikoprämien fortsetzen, böte dies Spanien eine Chance, das Schuldenproblem wieder in den Griff zu bekommen. Dieses setzt aber ein Festhalten am gegenwärtigen Sparkurs voraus. Möchte Spanien seine Staatsfinanzen so sattelfest bekommen, dass man sogar gegen einen erneuten Anstieg der Risikoprämien gewappnet wäre, bedürfte es aber noch stärkerer Sparmaßnahmen als im bisherigen Umfang. Dazu könnte Spanien beispielsweise die Erhöhung seiner im EWU-Vergleich nach wie vor niedrigen Staatsquote in Erwägung ziehen.

 

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