Griechenland: Schuldenschnitt durch die Hintertür

In den laufenden Gesprächen zwischen Griechenland und den Kreditgebern über etwaige Schuldenerleichterungen werden vor allem eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten sowie eine Herabsetzung der Zinslast diskutiert. Unsere Berechnungen zeigen, dass die Verlängerung der Kreditlaufzeit von 24 auf 50 Jahre den gleichen Barwertvorteil für Griechenland aufweist, als wenn man die Laufzeiten unverändert ließe, aber den Kreditnominalbetrag um ca. 23% reduzierte. Gewährte man Griechenland außerdem einen Zinsvorteil in Höhe von 50 Basispunkten, entspräche dies sogar einer Kreditnominalwertherabsetzung von ca. 40%.

Der Barwert der griechischen Gesamtverbindlichkeiten inklusive Zinszahlungen in Höhe von gegenwärtig 194% des BIP ließe sich durch die angedachten Erleichterungen auf 174% reduzieren, wohingegen die aktuelle Schuldenstandsquote – anders als bei einer Herabsetzung des Kreditnominalbetrages – hiervon unberührt und damit auf Rekordniveau bliebe. Der Aussagewert der vielfach beachteten und als Vergleichsgröße gängigen Schuldenstandsquote würde bei einer Verlängerung der Kreditlaufzeiten damit sinken.

Griechenlands finanzielle Lasten als Barwertgröße wären unter Berücksichtigung der diskutierten Krediterleichterungen zwar immer noch die höchsten innerhalb der
EWU, der Abstand zu anderen Ländern wie Italien, das sich vollständig über den Markt refinanziert, würde aber deutlich sinken.

Das griechische Schuldenproblem wäre durch eine Laufzeitverlängerung voraussichtlich noch nicht nachhaltig gelöst, Anleger dürften die Bonität Griechenlands aber wahrscheinlich deutlich besser als gegenwärtig einschätzen. Eine positive Entwicklung bei den Spreads setzt allerdings voraus, dass Hellas am gegenwärtigen Reformkurs festhält und zunehmende politische Risiken den positiven Effekt der Schuldenerleichterungen nicht überlagern.

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