Japan: Wirtschaftswachstum steigt zu Jahresbeginn aufgrund von Sondereffekten

Die japanische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2014 etwas stärker als erwartet gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 1,5 % gegenüber dem Vorquartal (einfache Rate) zu. Im Endquartal 2013 hatte der Zuwachs gerade einmal 0,1 % betragen. Im Vorjahresvergleich lag die japanische Wirtschaftsleistung damit nun immerhin um 2,7 % im Plus.

Der mächtige Wachstumsschub zu Jahresbeginn beruht auf einem Sondereffekt, und zwar der Konsumsteueranhebung am 1. April von 5% auf 8%. Viele Privathaushalte haben den Kauf von Gebrauchsgütern vorgezogen, um die höhere Steuer zu umgehen. Die Konsumausgaben wuchsen denn auch im ersten Quartal um 2,1 %, also deutlich überdurchschnittlich im Vergleich zur Gesamtheit der anderen Nachfragekomponenten. Ebenfalls überdurchschnittliches Wachstum zeigten die Investitionen, die insgesamt um 3 % gegenüber dem Endquartal 2013 zulegten. Besonders dynamisch stiegen dabei die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen (+4,9 %), aber auch die privaten Wohnungsbauinvestitionen lagen klar im Plus (+3,1%). Der Staat trug ebenfalls zum Wachstum bei, allerdings nur mit seinen laufenden Verbrauchsausgaben. Die staatlichen Investitionen fielen demgegenüber deutlich zurück.

Japans Außenhandel hatte in den letzten Quartalen aufgrund deutlich gestiegener Energieeinfuhren als Konjunkturbremse gewirkt. Die Importe waren zu Jahresbeginn zwar auch wieder sehr hoch, zumal es besonders im Februar extrem kaltes Winterwetter gab. Insgesamt ist hierdurch aber nun keine weitere Verschärfung der außenwirtschaftlichen Schieflage mehr entstanden, da die Exporte (einschließlich des Dienstleistungsverkehrs) mit 6 % überraschend stark zulegen konnten.

Was überdurchschnittliches Wachstum im ersten Quartal gebracht hat, wird nun mindestens bis zur Jahresmitte für umgekehrte Effekte sorgen: Wir rechnen wegen der höheren Konsumsteuer mit deutlicher Kaufzurückhaltung bei den Privathaushalten im Sommerhalbjahr. Im Konsumklima macht sich dieser temporäre Effekt derzeit in einer stark gesunkenen Anschaffungsneigung bemerkbar. Diese lag im März so tief wie zuletzt vor mehr als vier Jahren. Dass es für die Konjunktur des Gesamtjahres dennoch nicht so schlecht aussieht, liegt an der zuletzt doch recht positiven privaten Investitionsdynamik. Die exportorientierten Firmen haben in den vergangenen Quartalen zudem mehr auf Gewinnsteigerung denn auf Marktanteilsausweitung gesetzt und haben sich im Zuge ihrer wechselkursbedingten Mehreinnahmen nun auch zu Lohnzugeständnissen bereiterklärt. Der Arbeitsmarkt ist derzeit recht eng. Dies deutet darauf hin, dass sich auch die Konsumkonjunktur im zweiten Halbjahr schrittweise wieder erholen kann. Die Geldpolitik bleibt vorerst extrem expansiv, und die Regierung wird den Unternehmen wohl bald Steuererleichterungen gewähren.

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