Wachstumsdämpfer für den Euroraum im ersten Quartal

Das kam überraschend: Das Wirtschaftswachstum in der Währungsunion hat sich im ersten Quartal dieses Jahres nicht etwa beschleunigt, sondern blieb mit einem Plus von 0,2 Prozent im Vorquartalsvergleich beim vorherigen mäßigen Tempo. Die Wachstumslokomotive Deutschland war mit einem Quartalsergebnis von 0,8 Prozent weiter unter Dampf. Dabei ist aber zu beachten, dass die deutsche Wirtschaft kräftig vom quasi ausgebliebenden Winter profitiert hat. Erfreulich ist auch, dass Spanien mit einem Quartalsplus von 0,4 Prozent das Euro-Ergebnis gestützt hat. Weniger erfreulich sind dagegen die schwachen Meldungen der sonstigen Schwergewichte im Euroraum: Die italienische Wirtschaftsleistung ist wieder leicht gesunken, die französische Wirtschaft hat mit dem stagnierenden Bruttoinlandsprodukt ihrem Ruf als europäisches Wachstums-Sorgenkind alle Ehre gemacht. Noch eklatanter war der Einbruch des niederländischen Bruttoinlandsprodukts um –1,4 Prozent gegenüber Vorquartal, was allerdings stark auf Sondereffekte zurückzuführen ist. Auch die portugiesische Wirtschaft hat zu Jahresbeginn wieder einen Rückschlag zu verschmerzen: Nach zuvor drei Quartalen mit positiven Wachstumsraten ist das Bruttoinlandsprodukt mit –0,7 Prozent wieder kräftig gefallen.

Zu den einzelnen Komponenten des EWU-BIP liegen noch keine detaillierten Ergebnisse vor. Es ist aber zu erwarten, dass von der Binnennachfrage positive Wachstumsimpulse gekommen sind – wenn auch nicht übermäßig stark. Dafür bleiben die Probleme am Arbeitsmarkt zu groß. Für das schwache Wachstum im ersten Quartal dürfte auch ein satter Dämpfer vom Außenbeitrag verantwortlich gewesen sein. Vor allem die bislang vorliegenden März-Daten zum Außenhandel für einzelne Euro-Länder haben auf ganzer Linie enttäuscht.

Nach den insgesamt schwachen Daten für das erste Quartal ist auch für das laufende zweite Quartal derzeit keine Beschleunigung des Wachstumstempos zu erwarten. Aber: Ein Rückfall in die Rezession ist für den Euroraum als Ganzes unwahrscheinlich, die Erholung wird in kleinen Schritten voranschreiten. Darauf deuten Frühindikatoren am aktuellen Rand hin. So konnte der Gesamt-Einkaufsmanagerindex nach seinen leichten Verlusten im März (–0,2 auf 53,1 Punkte) im April wieder zulegen (54,0 Punkte). Das Wirtschaftsvertrauen, das von der EU-Kommission erhoben wird, gab im April hingegen etwas nach (–0,5 auf 102,0 Punkte), konnte sich jedoch komfortabel oberhalb des langjährigen Durchschnitts halten. Vom Ukraine-Russland-Konflikt oder von anderweitigen Konjunkturrisiken wie in China sehen wir aktuell keine signifikanten Beeinträchtigungen für die Wirtschaft in Euroland.

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