Scheitert die britische EU-Mitgliedschaft an Juncker?

In Großbritannien beherrscht seit der EU-Parlamentswahl die Politik das Geschehen. Das starke Abschneiden der rechts-orientierten UKIP setzt den britischen Premierminister Cameron, dessen Koalitionsregierung schon vorher mit Problemen zu kämpfen hatte, unter erneuten Druck. In zusätzliche Schwierigkeiten hat sich Cameron mit seiner Haltung gegenüber der EU in Sachen EU-Präsidentschaft gebracht. Eine Wahl Junckers, die kaum noch zu verhindern ist, wird den Premierminister innen- und außenpolitisch weiter schwächen. Das größte Risiko besteht u.E. darin, dass Cameron sich mit Blick auf die Wahlen 2015 entschließt, die Flucht nach vorne anzutreten und das britische EU Referendum vorzuziehen.

Doch so groß die Verlockung auch sein, mag die EU-kritische Stimmung in England für die Wahl zu nutzen, ein frühes Referendum wäre ein Spiel mit dem Feuer. So steht im September 2014 ja auch noch das schottische Unabhängigkeitsreferendum an. Während die meisten Beobachter bisher davon ausgehen, dass die Schotten mit „Nay“ stimmen werden, könnte ein direkter Konfrontationskurs Camerons mit der EU diese Wahl nachhaltig beeinflussen. Die Schotten sind klar pro-EU und die Unabhängigkeitsbefürworter könnten ein mögliches Vorziehen des britischen EU-Referendums nutzen, die Wahler auf ihre Seite zu ziehen. Zwar scheint die Mehrzahl der Briten momentan der Meinung zu sein, dass sie weder die EU noch die Schotten brauchen, aus Marktsicht jedoch könnte dies ganz anders aussehen.

Auch wenn der Devisenmarkt dieser Thematik wenig Aufmerksamkeit schenkt, so sind die potentiellen Auswirkungen eines „Brexit“ jedoch signifikant. Ob nun die Briten selber oder die EU in einem solchen Szenario mehr zu verlieren hätten (wirtschaftlich als auch politisch), darüber lässt sich vortrefflich streiten. Tatsache ist aber, dass die meisten Investoren davon ausgehen, dass die Briten das Nachsehen hätten. Für das Pfund wäre eine steigende Wahrscheinlichkeit eines „Brexit“ also klar negativ.

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