Deflationsgefahren: EZB setzt auf Belebung der Kreditvergabe

Erwartungsgemäß haben die europäischen Währungshüter gestern ihren Leitzins gesenkt, und zwar um 10 Basispunkte auf nunmehr 0,15%. Darüber hinaus hat die Notenbank den Einlagesatz mit -0,10% erstmals im negativen Bereich festgesetzt. Doch ungeachtet dieses historischen Schritts war dies in den Augen der Marktakteure lediglich eine Pflichtübung. Der Fokus lag vielmehr auf den Ausführungen von Notenbankchef Draghi in der turnusgemäßen EZB-Pressekonferenz.

Im Zuge dieser Pressekonferenz hat die Notenbank weitere unkonventionelle Maßnahmen vorgestellt, welche insbesondere auf eine Belebung der lahmenden Kreditvergabe in der Eurozone zielen. Diese Maßnahmen umfassen:

– TLTRO (Targeted-Long-Term-Refinancing-Operation): Ein bedingter Tender, mit dem gezielt Liquidität zur Kreditvergabe an den Privatsektor zur Verfügung gestellt werden soll.

– Aussetzung der SMP-Abschöpfungstender: Ansteigende Überschussliquidität soll Geldmarktnotierungen weiter drücken.

– Forward Guidance: Die EZB betont weiterhin, dass sie die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum auf niedrigem Niveau belassen wolle. Weitere unkonventionelle Maßnahmen werden grundsätzlich nicht ausgeschlossen, sollte dies in den Augen der Währungshüter notwendig werden.

– Die EZB verlängert ihre Vollzuteilungspolitik für die regulären Tenderoperationen.

– ABS-Ankaufprogramm: Die EZB ist bestrebt, den europäischen ABS-Markt zu beleben, und plant hierzu auch ein ABS-Ankaufprogramm.

Auch wenn die EZB gestern deutlich gemacht hat, dass sie bereit ist, den Kampf gegen potenzielle Deflationsgefahren aufzunehmen, wird sich wohl erst in drei bis vier Quartalen zeigen, inwieweit die EZB-Maßnahmen zur Belebung der Kreditvergabe tatsächlich verfangen werden und diese dazu geeignet sind, potenzielle Deflationsgefahren abzuwenden. Zentraler Bestandteil des EZB-Maßnahmepakets sind die bedingten Tenderoperationen (TLTRO). Hier wird den Banken mit einer Laufzeit bis maximal September 2018 günstige Zentralbankliquidität angeboten. Die Notenbank hofft darauf, dass die Geschäftsbanken beherzt zugreifen und diese Liquidität zur Ausweitung der Kreditvergabe nutzen. Doch zuletzt waren die Geschäftsbanken eher bestrebt, ihre Bilanzen angesichts ausgeprägter regulatorischer Anforderungen und Risikoabwägungen zu schrumpfen und überschüssige Zentralbankliquidität vorzeitig an die EZB zurückzugeben. Vor diesem Hintergrund hegen wir Zweifel, inwieweit von diesen neuen TLTRO’s positive Impulse für die Kreditvergabe, insbesondere in der europäischen Peripherie, ausgehen. Für vielversprechender erachten wir ein potenzielles ABS-Ankaufprogramm der EZB. Durch die gezielte Übernahme von Kreditrisiken durch die Notenbank würde bei den Geschäftsbanken aufgrund der Eigenkapitalentlastung grundsätzlich neuer Handlungsspielraum zur Kreditvergabe entstehen. Details zu diesem ABS-Ankaufprogramm hat die EZB bislang allerdings noch nicht bekanntgegeben.

Auch wenn der Erfolg der jüngsten EZB-Beschlüsse nicht sicher ist, zeigt das umfangreiche Maßnahmenpaket, dass die EZB entschlossen ist im Kampf gegen potenzielle Deflationsgefahren. So hat EZB-Draghi auch betont, dass weitere unkonventionelle Maßnahmen (z.B. Quantitative Easing) nicht ausgeschlossen sind, sollte dies in den Augen der Währungshüter notwendig werden.

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