Bank of England: Flug der Falken

Die überraschende Warnung des britischen Zentralbankchefs Mark Carney, die BoE könne die Zinsen eventuell schon früher anheben als derzeit vom Markt erwartet, hat dem Pfund zu einer erneuten Rallye in Richtung 1,70 USD verholfen. Auch am Anleihemarkt hat sich dies niedergeschlagen: am kurzen Ende sind die Gilt-Renditen deutlich in die Höhe gelaufen. Doch wie wahrscheinlich ist eine frühe Zinswende wirklich? Wie so oft hat der Markt auch dieses Mal nur das gehört, was er hören wollte. Die eigentliche Botschaft Carney’s, dass eine Zinserhöhung hauptsächlich der Beruhigung des Immobilienmarktes dienen würde (also nicht Ausdruck soliden Wirtschaftswachstums wäre), ging mehr oder weniger unter. Eine Wiederholung der Ereignisse von 2010/2011 ist also nicht auszuschließen. Damals hatte der starke Anstieg der Inflationsraten zu aggressiven Zinserhöhungsspekulationen geführt. Zwei Mitglieder des MPC hatten zwischenzeitlich sogar für einen solchen Schritt gestimmt. Letztendlich jedoch tastete die BoE die Zinsen nicht an, sondern entschied sich, durch diese Phase höherer Inflation „hindurchzuschauen“. Auch heute besteht das Risiko, dass der Markt über das Ziel hinaus schießt. Zwar ist der Immobilienmarkt ein Problem, jedoch hat die BoE gerade letzte Woche neue Befugnisse erhalten, um einer Blasenbildung entschiedener entgegenzutreten. Setzt sie diese konsequent um, wird die Notwendigkeit einer frühen Zinserhöhung erneut sinken. Das Pfund wird bis auf Weiteres von der Spekulation über höhere Zinsen profitieren können, die spätere Ernüchterung ist aber schon heute vorprogrammiert.

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