Maschinenbauer spüren Russland-Krise

Russland ist für den Maschinenbau als Wirtschaftspartner von deutlich größerer Bedeutung als für die deutsche Wirtschaft insgesamt. So liegt Russland beim gesamten Güterexport aus Deutschland lediglich an elfter Stelle aller Zielländer, während es bei den Maschinenausfuhren dagegen bereits die vierte Position nach China, den USA und Frankreich belegt. Maschinen waren im letzten Jahr immerhin verantwortlich für mehr als ein Fünftel aller Güterexporte nach Russland. Damit übertrafen sie sogar die Ausfuhren von „Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen“ und sind somit das wichtigste deutsche Exportgut für Russland.

Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Maschinenbau aktuell die Schwäche der russischen Wirtschaft zu spüren bekommt. Die Maschinenexporte von Deutschland nach Russland sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 17,6 Prozent zurückgegangen. Die Einbußen der Maschinenbauer im Russlandgeschäft fielen damit größer aus als bei der gesamten Ausfuhr nach Russland (-14,0 Prozent).

Nach einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bemerken derzeit bereits zwei Drittel aller Maschinenbauunternehmen Folgen der Russland-Krise. Insbesondere rückläufige Auftragseingänge und zurückgehende Anfragen, aber auch Finanzierungsprobleme im Russlandgeschäft machen den Unternehmen zu schaffen. Weniger von Bedeutung scheinen Stornierungen, Importverzögerungen sowie Zahlungsausfälle. Aber selbst über die nochmals seltener genannten Verzögerungen bei der Exportkontrolle beschweren sich noch 12 Prozent der Maschinenbauunternehmen.

Die Rückgänge bei Anfragen und Aufträgen sind auf den schwachen Rubelkurs, Zinserhöhungen und die allgemeine politische Lage zurückzuführen. Diese Gründe lagen zum Teil bereits vor der Annexion der Krim durch Russland vor. Sie haben sich zuletzt allerdings weiter verschärft. Zudem sind erweiterte Sanktionen der EU gegen Russland nach wie vor möglich.

Die Umsatzeinbußen aus dem Geschäft mit Russland sollten bei gut und diversifiziert aufgestellten Maschinenbauern durch eine höhere Nachfrage aus dem Inland und aus der Europäischen Union insgesamt zwar mehr als ausgeglichen werden. Bei weniger diversifizierten und gleichzeitig stark in Russland oder der Ukraine engagierten Unternehmen werden sich die Einbußen jedoch deutlich in den Geschäftsergebnissen für dieses Jahr niederschlagen.

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