Aushöhlung des Stabilitäts- und Wachstumspakts birgt Marktrisiken

Bei einem Treffen der Chefs der europäischen Sozialisten am vergangenen Wochenende in Paris sprachen sich diese unisono für eine flexiblere Ausgestaltung der Regeln zum Defizitabbau in Europa aus. Einhellig wurde die Devise „Zeit beim Defizitabbau gegen Reformen“ in einer gemeinsamen Erklärung formuliert.

Obwohl der Stabilitäts- und Wachstumspakt alles andere als ein Bollwerk gegen ausufernde Staatsverschuldung ist, wäre die zunehmende weitere Aushöhlung des Paktes aus Sicht der Gläubiger keine gute Nachricht. In den vergangenen Monaten hat sich der Trend zu einem Aufweichen der Sparmoral, die dringend notwendig erscheint, um die Folgen der EWU-Staatenfinanzkrise nachhaltig zu überwinden, bereits abgezeichnet.

Dass sich die Regierungen der Krisenländer den Schwenk zulasten der Sparpolitik überhaupt erlauben können, geht vor allem auf die gesunkenen Risikoprämien und der Konvergenz der Renditen innerhalb der Eurozone zurück. Hierbei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass diese positive Marktentwicklung vor allem durch die Krisenbewältigungspolitik der EZB ausgelöst wurde.

Als Konsequenz einer weiteren Aufweichung der Sparpolitik könnte den anhaltenden Kursgewinnen bei EWU-Staatsanleihen die Grundlage entzogen werden, da die Risikoprämien in einem zunehmend geringen Maße von der Entwicklung der Schuldenstände beeinflusst wären. Diese Entkoppelung käme auch einer Fehlallokation finanzieller Ressourcen gleich, welche vor allem längerfristige Risiken für Anleger in Bezug auf ein höheres Ausfallrisiko birgt. Die Gefahr, dass bei wiederkehrender Risikoaversion, ausgelöst beispielsweise durch einen exogenen Schock oder bei Enttäuschung der gestiegenen Erwartungen hinsichtlich des Wachstums in Europa, das Spreadniveau einer Neubewertung unterzogen würde, dürfte durch den beschriebenen Politikwandel daher allmählich zunehmen.

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