Britische Wirtschaft wächst um 3 Prozent

Die britische Konjunktur brummt. Das Office for National Statistics hat soeben das kräftige Wachstum im ersten Quartal in Höhe von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal bestätigt. Gleichzeitig haben sich die Stimmungsindikatoren aus der gewerblichen Wirtschaft in den vergangenen Monaten auf hohem Niveau gefestigt. Sie deuten nun darauf hin, dass die britische Wirtschaft ihr ansehnliches Wachstumstempo vom Jahresanfang auch im zu Ende gehenden Quartal gehalten hat. Dieses Bild bestätigen auch die kräftigen Wachstumszahlen aus Industrie und Einzelhandel im April. Das inzwischen rekordhohe Verbrauchervertrauen lässt darüber hinaus für geraume Zeit eine lebhafte Konsumkonjunktur erwarten. Die deutliche Aufwertung des Pfund Sterlings hinterlässt zwar mittlerweile sichtbare Bremsspuren bei den Warenexporten. Die kräftige Wachstumsdynamik der Gesamtwirtschaft wurde dadurch bislang aber noch nicht spürbar beeinträchtigt. Ein Grund mögen die Kaufkraftgewinne der privaten Haushalte sein, da sich die Aufwertung dämpfend auf die Inflationsentwicklung auswirkt. Zudem wird die Binnenwirtschaft nach wie vor vom Höhenflug am Immobilienmarkt gestützt, der von staatlichen Kredithilfen profitiert.

Wir haben die überraschend robuste Konjunkturentwicklung am aktuellen Rand zum Anlass genommen, unsere BIP-Prognose für Großbritannien anzuheben. Wir gehen nun davon aus, dass das Wirtschaftswachstum nicht nur im zweiten Quartal kräftiger war als bislang gedacht. Die Wachstumsdynamik dürfte auch in den kommenden Quartalen erhöht bleiben und sich nicht so deutlich abschwächen, wie wir dies bisher unterstellt haben. Dämpfende Effekte werden zwar von der Pfund-Aufwertung, den gestiegenen Kapitalmarktrenditen und Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilienmarktes ausgehen. Auch die anhaltende EU-Austrittsdebatte ist für das Investitionsklima dauerhaft schädlich. Die Effekte werden aber wohl gradueller ausfallen und später eintreten als bislang erwartet. Wir erhöhen deshalb unsere BIP-Prognose für dieses Jahr auf 3 Prozent – das ist der kräftigste Anstieg seit sieben Jahren und ein Spitzenwert im Kreis der großen Industrieländer. 2015 dürfte sich das Wachstum dann auf 2,3 Prozent abschwächen.

Das solide Wachstum der Briten und die steigende Sorge über den Immobilienmarkt haben in jüngster Vergangenheit lebhafte Zinserhöhungsfantasien geweckt. Diese wurden nicht zuletzt von BoE Gouverneur Mark Carney selber befeuert, der sich kürzlich überraschend „hawkish“ präsentierte. Dennoch glauben wir weiterhin nicht an eine frühe Zinserhöhung. Den Risiken des Immobilienmarktes kann die BoE regulatorisch entgegenwirken (auch wenn die ersten Gehversuche in diese Richtung enttäuschend ausgefallen sind), eine vorzeitige Zinserhöhung wäre ein zu großes Risiko. Da es aus Sicht der BoE aber opportun sein wird, diesbezügliche Spekulationen am Leben zu erhalten, ist damit zu rechnen, dass auch das Pfund zunächst weiter profitieren kann. Eine Aufwertung in Richtung 1,75 USD ist auf kurze Sicht durchaus möglich, zumal die Wirtschaftsdaten eine solche Aufwertung zusätzlich begünstigen dürften. Erst auf längere Sicht ist dann mit einer erneuten Enttäuschung zu rechnen, die auch das Pfund belasten dürfte.

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