Fehlende Richtung in einer Welt niedriger Volatiltät

Die meisten der großen Aktienmärkte notieren seit Monaten in einer relativ engen Spanne, ohne sichtbare Ausbruchsversuche nach oben oder unten. Die Unsicherheit darüber, ob das Wachstum der Unternehmensgewinne tatsächlich die Liquiditätsspritzen der Notenbanken als wichtigsten Taktgeber für die Aktienmärkte ablösen kann, dürfte auch in den kommenden Wochen zunächst noch anhalten. Auch wenn die Positionen der Notenbanken zunächst geklärt sind (die Fed erhöht die Zinsen im Sommer 2015, die EZB hingegen wird zunächst noch expansiver), fehlen momentan noch die notwendigen Impulse seitens der Realwirtschaft. Verschiedene Indikatoren, wie z.B. die seit Jahresbeginn rückläufige Entwicklung deutscher Exporte in verschiedene Schwellenländer, deuten darauf hin, dass auch das Zahlenwerk der Unternehmen zum zweiten Quartal noch fallweise enttäuschen wird. Im bisherigen Verlauf der Übergangsphase hin zu stärkerem Gewinnwachstum waren es, speziell in den USA, zahlreiche M&A-Transaktionen namhafter Unternehmen, die die positive Aktienmarktentwicklung weiter getragen haben.

Insgesamt unterstützen die Fundamentaldaten unverändert die Aktienmarktaussichten. Das Gewinnwachstum dürfte sich dank einer besseren Konjunkturentwicklung sukzessive verbessern, wenngleich auch nicht ganz an die optimistischen Konsensprognosen für 2014 und 2015 heranreichen. Aktien sind im Vergleich zu Anleihen attraktiv bewertet. Die Bewertung der Aktienmärkte selbst liegt gegenüber der Historie etwas über dem Durchschnitt, aber nicht unvernünftig hoch, angesichts der Zinsen nahe Null und niedriger Inflationsraten.

Innerhalb der Aktienmärkte selbst existieren einige Bewertungsanomalien. So sehen wir ein Missverhältnis zwischen den Aktien, die uns im Rahmen unserer globalen Value-Screenings teuer erscheinen und solchen, die auf absoluter Basis preiswert aussehen. Zur erstgenannten Gruppe gehören Werte aus den Sektoren Konsum (zyklisch und nicht-zyklisch) und Gesundheit, dort insbesondere aus den USA, Kerneuropa und Großbritannien. Kurs-Buchwert-Verhältnisse größer drei oder vier Punkte sind bei den Titeln dieser Sektoren eher die Regel als die Ausnahme. Die günstigsten Aktien weltweit rekrutieren sich aus den Sektoren Energie, Versorger, Grundstoffe und Finanzen. Die Märkte dürften in den nächsten Jahren dazu übergehen, diese Bewertungsdifferenzen auszusortieren.

Während sich an den Aktienmärkten insgesamt ein konstruktiver Grundoptimismus bezüglich der Zukunftsperspektiven 2014/15 verbreitet, sich dieser aber bisher nicht spürbar auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne und Aktienkurse der europäischen Large-Caps ausgewirkt hat, haben die Rentenmärkte 2014 erneut eine starke Rally gezeigt. In Europa waren es speziell die Märkte der Peripherie, die sich sehr positiv entwickelt haben. Der größte Teil der Rendite dürfte an diesen Märkten inzwischen jedoch abgeschöpft sein und die Dynamik sinkender Spreads wird wohl mittelfristig weiter abnehmen. Von einer baldigen Trendwende weg von Peripheriebonds zu sprechen, dürfte es aber noch zu früh sein.

Im DZ BANK Depot haben wir jüngst keine Änderungen vorgenommen. Mit einem Kursplus von 4,9% seit Jahresbeginn liegen wir nach sechs Monaten im Bereich unseres jährlich angestrebten Returns zwischen vier und fünf Prozent pro Jahr. Bei den aktuell im Portfolio vertretenen Aktienpositionen sehen wir noch weiteres Anstiegspotenzial im zweiten Halbjahr, bei den Renteninvestments wollen wir die Carry verdienen.

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