US-Berichtssaison: Wachstumstief dürfte im 2. Quartal erreicht werden

In den USA steht in einer Woche der Beginn der Berichtssaison zum zweiten Quartal 2014 an. Unter den bekannten Unternehmen wird wie üblich der Aluminiumverarbeiter Alcoa den Auftakt (8. Juli) bestreiten. Berücksichtigt man allerdings zusätzlich die Unternehmen, deren fiskalisches Quartal bereits Ende Mai geendet hat, so haben schon zehn der 500 Unternehmen des S&P berichtet, darunter Industriegrößen wie Oracle, Walgreens, Micron Technologies, Costco und FedEx. Deren Zahlen fielen uneinheitlich aus, meist wurden die Umsatzerwartungen erfüllt, während die Unternehmensgewinne etwas schwächer als erwartet ausfielen.

Insgesamt dürften die Märkte nun verstärkt darauf achten, ob sich die US-Wirtschaft weiterhin auf einem Erholungspfad befindet (worauf die Frühindikatoren nach wie vor hindeuten). Die Messlatte für das erwartete Gewinnwachstum im zweiten Quartal liegt für den S&P 500 auf Basis des Konsens (Zacks Research) bei 3% gegenüber Vorjahresquartal. Für die Unternehmensumsätze wird mit einem Plus von +1,7% gerechnet. Ende März lag die Erwartung noch bei einem Wachstum von 5,5%, bevor es speziell in den Sektoren Einzelhandel, Autos, Grundstoffe und nicht-zyklischer Konsum zu Gewinnrevisionen nach unten kam. In der Vergangenheit lagen durchschnittlich 2/3 der berichteten Unternehmensergebnisse über den Erwartungen. Daher ist es auch dieses Mal recht wahrscheinlich, dass die endgültigen Q2-Ergebnisse etwas besser ausfallen als aktuell erwartet.

Ab dem 3. Quartal 2014 ist jedoch damit zu rechnen, dass es zu einer substanziellen Beschleunigung der Gewinnentwicklung kommen wird. Dann dürfte das Gewinnwachstum wieder prozentual zweistellig wachsen. Insbesondere bei den Unternehmen der Sektoren Versorger, zyklische Konsumgüter und Hausbau scheinen sich die Gewinnperspektiven nachhaltig zu bessern.

Das „Sorgenkind“ am amerikanischen Aktienmarkt bleiben die Finanzwerte, speziell die großen Banken, die inzwischen wieder 20% des Indexgewinns liefern, aber beim zukünftigen Wachstum zunächst gehemmt werden dürften. So halten die anhaltend tiefen Zinsen die Zinsmargen unter Druck und der Markt für Immobilienkredite hat sich zwar nachhaltig belebt, liegt aber im Volumen noch deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Das verbesserte Kapitalmarktgeschäft (Stichwort M&A-Transaktionen) wirkt sich im Investmentbanking positiv aus, der Einfluss auf das Gesamtergebnis der Banken bleibt aber meist von untergeordneter Bedeutung. Solange sich dies nicht ändert, besteht für die Banken wenig Spielraum für dynamischere Gewinnansprünge.

Schaut man auf den Gesamtmarkt, so fällt die Bewertung des S&P inzwischen relativ hoch aus. Bezogen auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis wird der US-Index inzwischen mit dem 2,86-fachen bewertet, dies sind rund 17% mehr als im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Trotz der nicht mehr günstigen Bewertung des S&P 500 gehen wir davon aus, dass der Aktienmarkt auch bis in das Jahr 2015 weiter steigen wird. In unserer neuen Prognose erwarten wir, dass der US-Leitindex bis zum 30.06.2015 auf 2.150 Punkte steigt. Dies entspricht auf aktueller Kursbasis einem Kurspotenzial von rund 10%.

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