Japan: Trotz aller Skepsis – Tankan-Index verspricht Konjunkturerholung

Japans Unternehmen haben in der Tankan-Umfrage der Bank von Japan im zweiten Quartal größere Skepsis geäußert als erwartet. Auf die Gesamtheit aller japanischen Unternehmen bezogen fiel der Stimmungsindex von 12 Punkten im ersten Quartal auf nur noch 7 Punkte. Die Zahl der Firmen, die sich skeptisch zur aktuellen Geschäftslage äußerten, ist also gegenüber April etwas gestiegen. Ein Wert von Null bedeutet, dass sich negative und positive Einschätzungen exakt ausgleichen. Das Muster, wonach Großunternehmen das aktuelle Geschäftsumfeld besser einschätzen als Kleinunternehmen, blieb erhalten: Der Index nur für die Großunternehmen fiel zwar auch, aber von einem höheren Niveau aus (von 21 auf nur noch 16 Punkte).

Der aktuelle Tankan-Index war mit Spannung erwartet worden, da er erstmals Auskunft darüber gibt, wie Japans Unternehmen mit der Konsumsteueranhebung vom 1. April zurecht kommen. Auf den ersten Blick ist die höhere Konsumsteuer tatsächlich „Gift“ für sie gewesen. Viele von ihnen waren nicht in der Lage, im Umfeld schwächerer Konsumnachfrage die Steueranhebung  vollständig in ihren Preisen an die Endkunden weiterzugeben. Im Ergebnis ist dadurch die Gewinnmarge geschrumpft. Ein zusätzliches Erschwernis sind die höheren Vorstufenpreise, die im Mai um 4 ½ % über dem Vorjahr lagen. Viele importierte Vorprodukte und Energie hatten sich wechselkursbedingt zum Vorjahresmonat verteuert und so die Kostenlage verschärft.

Japans Konjunktur dürfte aber keinen nachhaltigen Schaden dadurch erleiden. Denn sowohl die Konsumsteuer als auch der Wechselkursnachteil werden von den Unternehmen offenbar nur als temporäre Belastung empfunden. Darauf deuten die Tankan-Werte zu den Erwartungen für die nächsten drei Monate hin. Diese erhöhten sich von 1 auf nun 7 Punkte. Am deutlichsten – nämlich um 7 Punkte (von 8 auf 15 Punkte) – stiegen dabei die Erwartungen der exportstarken Großindustrie. Besonders positiv nehmen diese Unternehmen die von Premierminister Abe geplante Senkung ihrer Steuerlast auf. Denn vor allem sie sind es, die überhaupt Ertragsteuern bezahlen. 70 % aller Firmen in Japan, und das heißt besonders die kleinen und mittelgroßen Firmen, können hohe Freibeträge und Abschreibungen anwenden und bleiben damit oft steuerfrei. Abes Steuersenkungspläne dürften aber wohl nur mit einer breiteren Bemessungsgrundlage machbar sein, andernfalls entstünden hohe Steuerausfälle. Die Regierung würde sich damit auch weniger abhängig machen von der volatilen Gewinnlage der Großunternehmen.

Nimmt man den jüngsten Tankan-Index als Frühindikator für die japanische Konjunktur, so steht für die zweite Jahreshälfte eine Belebung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität in Aussicht. Diese könnte bis zum Herbst 2015 andauern. Ab Oktober 2015 könnte sich die Konjunktur dann aber erneut temporär abschwächen, weil dann die zweite Stufe der Konsumsteueranhebung ansteht (von 8 % auf dann 10 %). Premierminister Abe will hierüber im August eine endgültige Entscheidung treffen.

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