Ab 2015 EZB-Ratssitzungen nur noch alle sechs Wochen

Nachdem die europäischen Währungshüter zur Juni-Sitzung ihr geldpolitisches Instrumentarium um bedingte Tenderoperationen (TLTRO) erweitert hatten, sind zu dieser Zinssitzung keine weiteren unkonventionellen Maßnahmen beschlossen worden. Zudem haben die Notenbank-Oberen den Leitzins unverändert bei 0,15% belassen. Trotzdem war diese Zinssitzung kein Non-Event. So hat die EZB weitere Details zu den geplanten TLTRO-Operationen veröffentlicht.

Die bedingten Tenderoperationen zielen grundsätzlich darauf ab, die Kreditvergabe in der Eurozone zu beleben. Diese hat sich auf gesamteuropäischer Ebene in den zurückliegenden Monaten kontinuierlich zurückgebildet. Mit dem TLTRO-Programm versucht die EZB, möglichen Kreditengpässen, insbesondere in der Peripherie, entgegenzuwirken, um so die noch zarte Konjunkturerholung nicht zu gefährden und damit auch potenzielle Deflationsgefahren zu dämpfen. Auch nach den Präzisierungen der EZB zu diesem Programm halten wir aber an unserer Einschätzung fest, dass es kaum geeignet sein dürfte, der schleppenden Kreditvergabe in Südeuropa entscheidende Impulse zu verleihen.

Die EZB behält sich weiter vor, ein groß anlegtes Anleihekaufprogramm durchzuführen, wenn dieses notwendig werden sollte. Das ist, so hat Draghi klar gemacht, bislang nicht der Fall. Sollten, was wir nicht erwarten, die Inflationsraten aber noch weiter zurückgehen und es absehbar werden, dass sie längere Zeit unter Null verharren, könnte das aus unserer Sicht ein Thema werden. Das wird aber 2014 nicht mehr der Fall sein.

Abgesehen von den technischen Details zu den Tenderoperationen hatte zweifellos die Ankündigung Draghis, die Frequenz der bisher monatlich abgehaltenen Sitzungen auf einen Sechs-Wochen-Rhythmus zu verlängern, den größten Neuigkeitswert. Damit gleicht sich die EZB der US-Notenbank an, deren geldpolitischer Rat ebenfalls alles sechs Wochen zu Sitzungen zusammenkommt. Der Flexibilität der Notenbank schadet ein solcher Rhythmus sicherlich nicht. Sinnvoll wird er im Zusammenhang mit der Ankündigung, ebenfalls mit Beginn des kommenden Jahres sogenannte „accounts“ der Sitzungen zu veröffentlichen. Auch wenn diese keine vollwertigen Protokolle sein werden, könnten sie dazu dienen, die geldpolitischen Entscheidungen der Währungshüter im Eurotower noch transparenter zu machen. Details hierzu sollen in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *