US-Arbeitsmarkt hat einen Gang höher geschaltet

Die Erholung am amerikanischen Arbeitsmarkt hat nicht nur das recht flotte Tempo der Frühlingsmonate gehalten, sondern sogar noch einen Gang höher geschaltet. Laut offiziellem Bericht sind im Juni 288.000 neue Stellen geschaffen worden und die Arbeitslosenquote sank von 6,3 auf 6,1 Prozent. Auch weitere Details der heutigen Veröffentlichung zeigen, dass es sich bei dem recht schwungvollen Start des US-Arbeitsmarktes in dieses Jahr nicht nur um ein Strohfeuer gehandelt hat. So ist auch die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Monat von 9,8 auf nur noch 9,5 Millionen gesunken: Dabei kam der Rückgang überwiegend dem Segment der Langzeitarbeitslosen zu Gute, es wurde also die strukturelle Arbeitslosigkeit gesenkt. Auch wenn erneut der Dienstleistungssektor mit einem Plus von 236.000 Stellen der wesentliche Jobmotor war, so wurden auch im güterproduzierenden Bereich neue Stellen geschaffen.

Als bedenkliches Zeichen könnte die Stagnation der Partizipationsrate auf dem historischen Tiefstand von 62,8 Prozent gewertet werden. Wir würden eher von einem Wermutstropfen sprechen und rechnen in den kommenden Monaten mit einem Anstieg, der allerdings nur schwach ausfallen dürfte. Die Partizipationsrate gibt das Verhältnis „Arbeitskräfteangebot zu Einwohnern“ an und sollte normalerweise in konjunkturellen Erholungsphasen steigen. In den Vereinigten Staaten unterliegt die Partizipationsrate allerdings seit einigen Jahren durch den demographischen Wandel einem übergeordneten Abwärtstrend, da die Generation der Babyboomer dem Arbeitsmarkt den Rücken kehrt. Die Experten des „Bureau of Labor Statistics“ und der „Fed Cleveland“ schätzen deshalb, dass der Rückgang der Partizipationsrate seit dem ersten Quartal 2013 fast ausschließlich durch die altersbedingte Abwanderung in den Ruhestand verursacht worden ist. Wenig überraschend erwarten die Experten auch in diesem Jahr erneut eine leicht niedrigere Rate als im Vorjahr und schreiben diesen Trend in die Zukunft fort. Der Alterungstrend schränkt also die Aussagekraft der Partizipationsrate als Indikator für die Konjunktur und die Arbeitsmarktlage erheblich ein, im Auge behalten sollte man sie dennoch. Ein erneuter Rückgang wäre unter Umständen ein Alarmsignal oder der Hinweis darauf, dass der demographische Effekt sogar noch unterschätzt wird.

Trotz der zuletzt sehr positiven Nachrichten hat der US-Arbeitsmarkt noch nicht alle Folgen der großen Wirtschaftskrise verarbeitet. So liegen die Zahl der Arbeitslosen und der entmutigten Arbeitssuchenden immer noch deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Damit diese gänzlich abgearbeitet werden können, sollte das Tempo der US-Jobmaschine auch in der zweiten Jahreshälfte hoch bleiben. Das insgesamt gute Wirtschaftsklima in der größten Volkswirtschaft der Welt spricht dafür. Die Notenbank hätte damit den Spielraum, ihre immer noch sehr expansive Geldpolitik weiter zu drosseln.

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