(Geld-) Politische Unsicherheiten als Belastungsfaktor für die Emerging-Market-Währungen

Dass der (erwartete) geldpolitische Kurs derzeit maßgeblich das Geschehen am Devisenmarkt bestimmt, wird u.a. mit Blick auf Euro-Dollar oder Euro-Pfund deutlich. Auch das Wohl und Wehe der Schwellenländerwährungen hängt derzeit weitgehend von der geldpolitischen Marschrichtung in diesen Ländern ab. Problematisch ist hier allerdings, dass scheinbar immer mehr Notenbanken gerade in einer Zeit, in der sie besonders im Fokus stehen, ihr höchstes Gut – ihre Glaubwürdigkeit – mit Füßen treten und damit nicht weniger als ihre Reputation aufs Spiel setzen. Dabei wären sie gut beraten, genau das Gegenteil zu tun und wie z.B. jüngst die EZB, Maßnahmen zu ergreifen (regelmäßige Veröffentlichung von geldpolitischen Protokollen), welche ihre Transparenz und damit ihre Glaubwürdigkeit erhöhen.

Hiervon sind jedoch nicht nur die ungarische und die türkische Notenbank weit entfernt. Auch die polnische Zentralbank, deren politische Unabhängigkeit bis vor kurzem wohl kaum jemand ernsthaft in Frage gestellt hat, spielt derzeit mit dem Feuer. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet sie, als Telefonmitschnitte bekannt wurden, in denen ihr Vorsitzender der Regierung unter bestimmten Bedingungen Schützenhilfe in Aussicht gestellt hat. Der Zloty gab in diesem Umfeld spürbar nach. Erschwerend kommt für ihn derzeit hinzu, dass ihm nicht nur der oberste Geldpolitiker des Landes einen Strich durch die Rechnung macht. Auch von politischer Seite droht Ungemach, ist doch Ministerpräsident Tusk ebenfalls in den Abhörskandal verwickelt und schließt bereits vorgezogene Neuwahlen nicht aus.

Das Schicksal, dass neben der angeschlagenen geldpolitischen Glaubwürdigkeit auch wieder aufkommende politische Unsicherheiten einer Währung das Leben schwer machen, könnte in den nächsten Wochen auch der türkischen Lira drohen, finden doch hier im August Präsidentschaftswahlen statt. Ministerpräsident Erdogan, welcher als aussichtsreichster Kandidat gilt, hat deutlich gemacht, dass er im Falle eines Wahlsiegs stärker als sein Vorgänger im politischen Alltag mitmischen möchte. Hierfür ist jedoch eine Verfassungsänderung noch vor den Wahlen notwendig. Ein Schritt, der unter den internationalen Investoren einmal mehr für Unsicherheit sorgen könnte.

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