Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird’s langsam eng

Im Rahmen ihrer regelmäßigen „Engpassanalyse“ hat die Bundesagentur für Arbeit festgestellt, dass vor allem in technischen Berufsfeldern, wie z. B. in der Automatisierungs- und Energietechnik, aber auch in Gesundheits- und Pflegeberufen, also z. B. bei Humanmedizinern und examinierten Pflegekräften, mittlerweile ein „bundesweiter Fachkräftemangel“ besteht. Die deutschen Unternehmen haben demnach immer größere Schwierigkeiten, geeignetes Personal für ihre Vakanzen zu finden.

Dies mag in Anbetracht von immer noch knapp drei Millionen Arbeitslosen zunächst verwundern. Doch bereits seit 2011 haben sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt Beschäftigung und Arbeitslosigkeit entkoppelt. So stieg in den ersten Monaten 2014 die Beschäftigung im Vorjahresvergleich insgesamt um rund 360.000, die Zahl sozialversicherungspflichtiger Jobs erhöhte sich sogar um mehr als 400.000. Die Arbeitslosenzahl liegt 2014 bislang dagegen nur etwa 35.000 unter Vorjahr. Das heißt, der weitaus größte Teil der neu geschaffenen Stellen kann nicht aus der Arbeitslosigkeit heraus besetzt werden. Vielmehr sind die Unternehmen auf neu auf den Arbeitsmarkt kommende Arbeitskräfte angewiesen. Diese haben entweder dem Arbeitsmarkt früher nicht zur Verfügung gestanden („stille Reserve“), oder aber sie sind als Einwanderer nach Deutschland gekommen.  Derzeit wird die Beschäftigungssteigerung vor allem durch eine erhöhte Zuwanderung ermöglicht, mit einem Wanderungsüberschuss von 437.000 wurde 2013 der höchste Wert seit 1993 erreicht. Für 2014 wird sogar eine noch höhere Zuwanderung erwartet.

Was bedeutet das für die deutsche Politik? Sie sollte alles dafür tun, das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften zu stärken. Dazu gehört die gezielte Anwerbung von ausländischen Fachkräften und die erleichterte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Dazu gehört auch, dass man das in Deutschland vorhandene Potential zu gut wie möglich ausschöpft, also z.B. durch die Qualifizierung von Arbeitslosen, und dass man das zukünftige Angebot steigert, indem man die Ausbildung junger Menschen gerade in Mangelberufen fördert. Dazu gehört aber nicht, dass man vorhandenen Fachkräften den Weg in den Vorruhestand ebnet, wie gerade geschehen durch die „abschlagsfreie Rente mit 63“.

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