Verbesserte Einkommensperspektiven privater Haushalte mit fadem Beigeschmack

Der Bundesrat hat heute dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde zugestimmt. Zusammen mit dem Rentenreformpaket wurden zwei sozialpolitische Maßnahmen ergriffen, von denen verstärkt untere Einkommensschichten profitieren. Für verbesserte Einkommensperspektiven der Bürger sorgt jedoch vor allem auch der günstige Konjunkturverlauf. Das hat sich bereits in den Tarifverhandlungen des laufenden Jahres niedergeschlagen. Im nächsten Jahr sollte sich das Wirtschaftswachstum zwar abschwächen, im europäischen Vergleich aber immer noch ordentlich ausfallen. Obwohl der Mindestlohn Arbeitsplätze kostet, dürfte die Zahl der Erwerbstätigen im nächsten Jahr weiter steigen – allerdings langsamer als 2014.

Zeitlich verzögert profitieren auch die Betriebsüberschüsse und Selbstständigeneinkünfte vom Aufschwung. Ein Wermutstropfen für die Einkommensentwicklung privater Haushalte ist jedoch das anhaltend niedrige Zinsniveau. Gemessen an der langjährigen Durchschnittsrendite deutscher Rentenwerte hat das private Geldvermögen in Form von Einlagen, Rentenpapieren und Rentenfonds ein Einkommenspotenzial von rund 80 Mrd. Euro im Jahr. Aktuell erreichen die Zinseinkünfte der Bürger gerademal 18 Mrd. Euro. Kurz- bis mittelfristig ist kein kräftiger Zinsanstieg zu erwarten. Daher dürften von den Zinseinkünften auf absehbare Zeit kaum Impulse auf das Einkommen ausgehen.

In der Summe kann für die privaten Haushalte in Deutschland jedoch ein deutliches Einkommensplus erwartet werden. Nach zwei schwachen Jahren sind 2014/2015 reale Einkommenszuwächse von 1,4 bzw. 1,3 Prozent drin. Kurzfristig stärken die besser gefüllten Geldbörsen unterer Einkommensklassen den privaten Konsum und dessen Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, denn langfristig gesehen beinhalten die sozialpolitischen Maßnahmen erhebliche Belastungen für die Bürger – durch dauerhaft höhere Beiträge der Rentenversicherten und Arbeitsplatzabbau im Zusammenhang mit dem Mindestlohn.

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