Kann die Niedrigzinspolitik die Investitionstätigkeit im Euro-Raum beleben?

Seit dem Beginn der Rezession im Jahr 2008, aber spätestes seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum befindet sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dauerkrisenmodus. Über die Absenkung des Leitzinses auf aktuell 0,15 Prozent und über weitere unkonventionelle Maßnahmen ist sie bemüht, die konjunkturelle Entwicklung im Euro-Raum über billigere Investitionen zu stützen. Denn die tiefe und lange Rezession hat zu einem deutlichen Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen (Wohnungsbau, sonstige Bauinvestitionen und Ausrüstungsinvestitionen) im Währungsgebiet insgesamt und in den meisten Mitgliedsländern geführt. Das Vorkrisenniveau konnte bisher nur in Deutschland annähernd erreicht werden.

Ein wichtiges Ziel der EZB-Politik ist daher, dass von den niedrigen Zinsen und von den weiteren im Juni 2014 beschlossenen Maßnahmen der EZB Impulse auf die Investitionsentwicklung ausgehen. Kann dies gelingen?

Unsere aktuelle Analyse zeigt, dass das Zinsniveau nicht der einzige Faktor zur Erklärung der Investitionsentwicklung ist. Dies gilt sowohl für die gesamten Investitionen des Währungsgebiets als auch für die betrachteten einzelnen Länder. Bis Ende 2007 lässt sich durchaus ein Einfluss der Zinsen auf die Investitionen nachweisen: Niedrigere Zinsen können zu höheren Investitionen führen. Seit Beginn der Krise ab dem Jahr 2008 funktioniert der Zusammenhang aber nur noch abgeschwächt oder gar nicht mehr. Die schwache Konjunktur wirkt negativ auf die Absatzperspektiven der Unternehmen, die gestiegene Arbeitslosigkeit verunsichert die privaten Haushalte. Dies sind noch immer unmittelbare Folgen der Finanz und Staatsschuldenkrise.

Wenn sich das konjunkturelle Umfeld und die wirtschaftliche Struktur mit der Zeit wieder normalisiert haben, dürften die niedrigen Zinsen die Investitionen auch wieder stärker stimulieren. Wichtig ist daneben auch eine Stärkung der Angebotsseite, also ein funktionierender Bankensektor, vor allem in den Krisenländern. Erst dann kann auch der positive Impuls des Niedrigzinsumfelds sich wie gewünscht unterstützend bei den gesamtwirtschaftlichen Investitionen bemerkbar machen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *