China: Wachstum stabilisiert sich dank staatlicher Maßnahmen

Chinas Konjunktur hat sich in den zurückliegenden Monaten stabilisiert, dies zeigen die neuesten Wirtschaftszahlen. Danach ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal dieses Jahres um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen – geringfügig stärker als zum Jahresauftakt, als das Wachstum auf 7,4 Prozent und somit den geringsten Wert seit 18 Monaten zurückgefallen war. Der nun gemeldete Wert hat auch die Markterwartungen leicht übertroffen. Die eigentlich positive Nachricht: Gegenüber dem ersten Quartal 2014 hat sich das BIP-Wachstum zuletzt recht deutlich auf 2 Prozent beschleunigt, das ist der kräftigste Anstieg seit 9 Monaten. Zu Jahresbeginn hatte die entsprechende Rate noch bei rund 1 ½ Prozent gelegen.

Die leichte Konjunkturerholung stützt sich allerdings überwiegend auf eine Vielzahl kleinerer staatlicher Stimulierungsmaßnahmen, die die chinesische Führung in den vergangenen Monaten gezielt auf den Weg gebracht hat. Hierzu zählen insbesondere vorgezogene Investitionen in Infrastruktur und sozialen Wohnungsbau. Der Anstieg der staatlichen Investitionstätigkeit hat die in den letzten Monaten deutlich nachlassende Wohnungsbautätigkeit zuletzt zumindest teilweise auffangen können. Dabei wurden die Provinzregierungen, auf deren Konto die jüngste Ausweitung der Ausgabentätigkeit vor allem geht, von der Zentralregierung wohl gedrängt, Investitionsprojekte zu beschleunigen, da ihnen sonst zugesagte Mittel gestrichen würden.

Gleichzeitig hat Peking aber auch an den unterschiedlichsten Stellschrauben gedreht, um den zahlreichen kleineren und mittleren Unternehmen, die über die Hälfte der Wirtschaftsleistung Chinas erbringen, unter die Arme zu greifen. Neben Steuererleichterungen und zusätzlichen Mitteln zur Innovationsförderung ist die chinesische Führung vor allem bemüht, den Zugang zu regulären Bankkrediten für kleinere Unternehmen wieder zu verbessern. In den vergangenen Monaten hat die People’s Bank of China die Mindestreserveanforderungen für einzelne Kreditinstitutsgruppen gesenkt, die hauptsächlich im ländlichen Raum aktiv bzw. deren Kunden überwiegend kleinere Unternehmen sind. Die Kreditvergabe hat daraufhin wieder sichtbar angezogen.

Mehr denn je wird deutlich, welche innenpolitische Brisanz die Einhaltung des Wachstumsziels von 7,5 Prozent für die chinesische Regierung besitzt. Von einem großangelegten Konjunkturpaket nimmt Peking zwar weiter Abstand. Problematisch ist aber die erneute Ausgabenausweitung der ohnehin schon hochverschuldeten Provinzen. Auch das beschleunigte Kreditwachstum widerspricht dem Bestreben, die hohe Kreditexpansion zu drosseln. Fraglich ist zudem, ob sich das Wachstumsziel ohne den Einsatz weiterer Stimuli einhalten lässt. Dazu müsste die Wachstumsdynamik in der zweiten Jahreshälfte weiter anziehen. Wir rechnen dagegen mit einem höchstens gleichbleibenden Wachstumstempo, wenn die bislang angestoßenen Maßnahmen auslaufen, dafür aber die Exportkonjunktur an Schwung gewinnt. Mit 7,3 Prozent dürfte der amtliche Zielwert im Gesamtjahr 2014 leicht unterschritten werden.

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