Euro-Raum: Und die Schulden steigen… und steigen… und steigen?

An den Märkten scheint die europäische Staatsschuldenkrise schon weitgehend verarbeitet zu sein. Aber wie groß die fiskalischen Probleme der Länder unseres gemeinsamen Währungsraums nach wie vor sind, konnte man den jüngsten Daten von Eurostat zu den Staatsschulden und Defiziten für das erste Quartal 2014 entnehmen. So gab es bei der Verschuldungsquote mit 93,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein neues Rekordhoch. Absolut entspricht dies einer Verschuldung von inzwischen mehr als 9 Billionen Euro: einer Neun mit sage und schreibe zwölf Nullen! Hinzu kommt, dass der Schuldenstand in fast allen Euro-Ländern gegenüber dem Schlussquartal 2013 zugelegt hat, mit nur wenigen Ausnahmen: Luxemburg, Deutschland, Griechenland – jawohl, Griechenland. Allerdings bleiben die Hellenen mit einer Verschuldungsquote von gut 174 Prozent trauriger und einsamer Spitzenreiter unter den Euro-Ländern. Bei der Defizitquote gab es zu Jahresbeginn keine große Bewegung: Sie verharrte mit 2,7 Prozent der Wirtschaftsleistung knapp unter der Maastricht-Grenze von 3 Prozent. Auch wenn Quartalsdaten zur Defizitentwicklung mit Vorsicht zu genießen sind, dürften die Konsolidierungsbemühungen in einigen Ländern doch etwas nachgelassen haben.

Nach unserer Einschätzung wird der Euro-Schuldenberg dieses Jahr weiter zulegen und bei rund 96 Prozent in Relation zur Wirtschaftsleistung seinen Scheitelpunkt erreichen. Im kommenden Jahr dürfte er erstmals seit 2007 sinken, aber mit jenseits der 90 Prozent immer noch sehr hoch sein. Beim aggregierten Defizit für den Euroraum ist ebenfalls peu à peu Besserung in Sicht: Erstmals seit 2008 dürfte der Fehlbetrag für das Gesamtjahr leicht unter der Maastricht-Grenze von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen und sich im kommenden Jahr auf 2,3 Prozent verringern. Aber so erfreulich dies auf den ersten Blick erscheint, lohnt darüber hinaus ein zweiter Blick: So bleiben einige Länder – wie gerade Frankreich und Spanien – doch deutlich hinter den gesteckten Defizitzielen zurück. Und die Verringerung des Defizits ist in den zurückliegenden Quartalen zu einem nicht unerheblichen Teil alleine darauf zurückzuführen, dass der Euroraum die Rezession hinter sich gelassen hat.

Risiken bleiben für die Entwicklung der Euro-Staatsfinanzen: Sollte das Wirtschaftswachstum schwächer ausfallen als derzeit erwartet, dürfte dies die öffentlichen Haushalte wieder stärker unter Druck bringen und kaum für eine Rückführung des Schuldenbergs und der Defizitquoten ausreichen. Hinzu kommt auch noch politische Unsicherheit: Sollten sich die Spitzenpolitiker der europäischen Krisenländer mit ihrem Ansinnen durchsetzen, weitere Ausnahmen und Lockerungen à la Renzi auf dem Weg der Konsolidierung herauszuschlagen, würde dies ebenso die Rückführung der Schulden und Defizite erschweren. Es ist wie in der Schule: Notwendige (Konsolidierungs-) Hausaufgaben können nicht ewig aufgeschoben werden, sonst ist die Versetzung gefährdet! Dies gilt auch für Renzi und Co.

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