„Irrational Exuberance“ reloaded – Jüngste Fed-Kommentare zur Aktienmarktbewertung sind noch untertrieben

In der vergangenen Woche hat sich die US-Notenbank zur Bewertung des amerikanischen Aktienmarktes im Allgemeinen und zur Bewertung zweier Branchen im Speziellen geäußert. Es kam in der Vergangenheit nicht besonders häufig vor, dass die Fed zur Bewertung von Aktien Stellung nahm. Die jüngsten Anspielungen erinnerten an die Greenspan-Rede aus dem Dezember 1996 („irrationaler Überschwang“), nach der die „Dotcom“-Blase erst richtig begann. Nun wurde die Fed, in Person der Chefin Yellen, deutlich konkreter als Herr Greenspan vor 18 Jahren.

In Kurzform bezeichnet die Fed in ihrem Bericht die aktuelle Bewertung des breiten amerikanischen Marktes als „nicht weit über dem historischen Durchschnitt und damit in der Norm liegend“. Dennoch erscheinen der Fed die Bewertungsparameter in einigen Sektoren „substanziell gedehnt“, besonders die der kleineren Unternehmen aus den Industrien soziale Medien und Biotechnologie. Wir haben die Aussagen der Fed zur Bewertung der angesprochenen Indizes und Titel einer Prüfung unterzogen und kommen zu folgenden Ergebnissen:

  1. Der S&P 500 ist im Durchschnitt deutlich höher bewertet als es die Fed in ihrem Bericht dargestellt hat. Nur gegenüber dem Anleihen sind Aktien noch unterbewertet. Die auf Prognosen beruhenden KGV- und KCF-Rechnungen zeigen eine faire Bewertung an, alle übrigen Kennzahlen zeigen hingegen eine deutliche Überbewertung im Bereich zwischen 20% und 47% an.
  2. Der Sektor „Social Media“ ist deutlich überbewertet. Selbst wenn die Nettogewinne der Aktien im Sektor in den kommenden fünf Jahren tatsächlich wie von Analysten erwartet um 25% p.a. wachsen sollten (was aus unserer Sicht sehr unwahrscheinlich erscheint), so ist das aktuelle KGV von 70 Punkten manisch übertrieben.
  3. Bei Aussagen zur Bewertung von US-Biotechunternehmen muss differenziert werden. Auf der einen Seite stehen die großen Unternehmen, die nicht zuletzt vor dem Hintergrund der positiven Pipelineaussichten nicht überteuert erscheinen. Auf der anderen Seite existiert eine Vielzahl von mittelgroßen und kleineren Biotechunternehmen, deren Bewertung mittlerweile mehr als nur „substanziell gedehnt“ ist.

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