Euro-Kurs und Exporte: Gegen- oder Rückenwind?

Die europäische Exportwirtschaft dürfte den leichten Rückgang des Euro-US-Dollar Wechselkurses in den letzten Tagen sicherlich begrüßen. Denn schließlich war der mühsam begonnene Aufstieg aus der Rezession in der zweiten Jahreshälfte 2013 maßgeblich auf die positiven Wachstumsbeiträge der Exporte in Kern- und Krisenländern zurückzuführen. Zuletzt mehrten sich die Stimmen derer, die sich zu den negativen Auswirkungen eines starken oder gar überbewerteten Euro äußerten. Die Befürchtungen sind nicht unberechtigt.

Um eine Aussage über die Größenordnung des Wechselkurseffekts auf die Exporte machen zu können, haben wir die Abhängigkeit der Exporte von den Wechselkursbewegungen näher beleuchtet. Unsere Berechnungen für die EWU zeigen eine deutliche negative Abhängigkeit der Exporte vom Euro-Wechselkurs. Eine Aufwertung des Euro bremst also die Exporte, ein niedriger Wechselkurs würde die Exporte im Umkehrschluss stützen. Am stärksten ist der Effekt für Frankreich, hier reagieren die Exporte sehr deutlich auf Wechselkursänderungen, gefolgt von Italien. Die deutschen Exporte zeigen von den analysierten Ländern die geringste Anfälligkeit für Wechselkursschwankungen.

Ein niedriger Wechselkurs könnte eine exportgestützte Konjunkturerholung im Euro-Raum also stärker unterfüttern. Gerade jene Länder der Euro-Peripherie, welche schon massive Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit unternommen haben, könnten durch einen schwächeren Wechselkurs in ihren Bemühungen zusätzlichen Auftrieb erhalten.

Es stellt sich nun die Frage, ob die EZB gezielt versuchen sollte, den Euro abzuwerten, damit die Exporte beflügelt werden. Kurzfristig kann zwar eine Abwertung des Euro der europäischen Exportwirtschaft helfen. Langfristig ist zu befürchten, dass ein dauerhafter Versuch der Abwertung durch die EZB Gegenmaßnahmen anderer Zentralbanken nach sich ziehen könnte. In einem Abwertungswettlauf oder in einem Währungskrieg kann es aber keinen Gewinner geben. Vielmehr sorgt ein flexibles und investitionsfreundliches Umfeld für Unternehmen für langfristige Exporterfolge.

Ausgehend von den aktuellen DZ Bank Prognosen zum Euro-US-Dollar Wechselkurs und der Entwicklung des globalen Konjunkturumfelds dürfte es in der zweiten Jahreshälfte Rückenwind für die Exporte des Währungsgebiets geben. Der Euro dürfte sich im Prognosezeitraum etwas schwächer gegenüber dem US-Dollar zeigen, das globale Konjunkturumfeld wird an Dynamik gewinnen. Zusammengenommen dürfte dies die Exporte der EWU-Länder stützen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *