Britische Wirtschaft brummt – aber erst jetzt wieder auf Vorkrisenniveau

Die britische Wirtschaft hat ihr hohes Wachstumstempo auch während der Frühjahrsmonate halten können. Eine erste offizielle Schätzung weist den Anstieg der Wirtschaftsleistung im zurückliegenden zweiten Quartal mit 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus, genauso hoch wie zum Jahresauftakt. Gegenüber dem Vorjahr hat das Bruttoinlandsprodukt inzwischen ein Wachstum von 3,1 Prozent erreicht – das höchste seit sieben Jahren. Im Kreis der G7-Staaten ist das Vereinigte Königreich damit mit Abstand der Wachstumsspitzenreiter und dürfte es auch für den Rest des Jahres bleiben. Wir rechnen für das Gesamtjahr 2014 mit einem BIP-Wachstum von 3 Prozent – das ist deutlich mehr, als wir z. B. für Deutschland (2,3 Prozent) oder die US-Wirtschaft (1,9 Prozent) veranschlagen. Auch der Internationale Währungsfonds hat seine UK-Prognose für dieses Jahr gerade auf 3,2 Prozent heraufgesetzt.

Anders aber als in Deutschland oder den Vereinigten Staaten hat die britische Wirtschaft erst jetzt das Leistungsniveau wiedererlangt, das sie vor dem scharfen Einbruch durch die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erreicht hatte – also erst nach 25 Quartalen. Anfang letzten Jahres lag die gesamtwirtschaftliche Produktion noch 4 Prozent unter ihrem Vorkrisenwert und hatte damit noch nicht einmal die Hälfte der erlittenen Einbußen wieder aufgeholt. Das ist nicht nur im internationalen Vergleich ungewöhnlich, sondern das hat es auch bei vorangegangenen Rezessionen des Landes so nicht gegeben. Erst seit eineinhalb Jahren erholt sich die britische Wirtschaft kräftig und dynamisch. Davor lag eine mehrjährige Stagnationsphase, die Wirtschaft trat auf der Stelle, die Investitionen schrumpften, der Staat konsolidierte seine Ausgaben und die Verbraucher sparten.

Inzwischen tragen die britischen Konsumenten zwar wieder die Konjunktur und auch die Investitionstätigkeit ist angesprungen. Fraglich ist aber, ob sich das hohe Wachstumstempo auch im kommenden Jahr fortsetzen lässt. Noch hat sich die kräftige Erholung am Arbeitsmarkt nicht in steigendem Lohndruck niedergeschlagen, was sich angesichts der deutlich gestiegenen Zahl offener Stellen aber schon bald ändern dürfte. Die Bank of England hat die Lohnentwicklung zuletzt stärker in den Fokus gerückt und ihre Handlungsbereitschaft im Falle steigender Löhne einmal mehr zum Ausdruck gebracht. Bereits jetzt hat das Britische Pfund angesichts steigender Zinserwartungen deutlich aufgewertet und drückt auf den Export. Anfang kommenden Jahres werden die Londoner Währungshüter dann wohl auch tatsächlich an der Zinsschraube drehen. Das wird die Konjunkturerholung sicher nicht abwürgen – schließlich bleibt die Geldpolitik immer noch äußerst expansiv. Das Tempo dürfte sich aber mäßigen. Wir erwarten im kommenden Jahr noch ein BIP-Wachstum von 2,3 Prozent.

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