BRICS-Länder kämpfen gegen Vorherrschaft des US-Dollars

Die weltweit wichtigsten Schwellenländer begehren auf gegen das etablierte Finanzsystem aus Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF), das von den USA und Europa dominiert wird. Der starke politische Einfluss der USA und die Abhängigkeit vom US-Dollar sind den BRICS-Staaten ein Dorn im Auge. Russland hatte nach ersten US-Sanktionen aufgrund der Ukraine-Krise mit einem Finanz-Krieg gedroht und eine weltweite Anti-Dollar-Allianz gefordert. Der Einfluss des US-Dollars als weltweit führende Handelswährung soll geschwächt werden, u.a. indem die Mitglieder der Allianz auf den US-Dollar als Reservewährung verzichten. Präsident Putin dürfte ein großes Interesse daran gehabt haben, dass die jahrelangen Verhandlungen zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika zur Gründung einer eigenen Entwicklungsbank und eines Reservefonds nun zum Abschluss gekommen sind. Das Startkapital der Bank von 50 Mrd. USD (das später auf 100 Mrd. USD aufgestockt wird) soll zu gleichen Teilen von den beteiligten Schwellenländern beigesteuert werden. Der Reservefonds, der einspringt wenn Länder in finanzielle Probleme geraten, erhält 100 Mrd. USD, wobei China mit 41 Mrd. USD den Löwenanteil einzahlt. Aber so einfach wie die Gründung der beiden Institutionen wird es bei der praktischen Arbeit sicherlich nicht werden.

Einig waren sich die BRICS-Länder vor allem darin, dass sie sich im Weltfinanzsystem unterrepräsentiert und benachteiligt fühlen. Immerhin entfallen auf diese fünf Länder rund 40 Prozent der Weltbevölkerung und ungefähr 25 Prozent des Weltsozialprodukts. Was diesen Ländern bisher fehlte, war eine gemeinsame Strategie, um die wachsende weltweite Bedeutung auch in Machtgewinn umzumünzen. Dieses grundsätzliche Problem haben die BRICS mit ihrem Vorstoß immer noch nicht gelöst. So befürchten einige Länder wie Indien, dass China die neuen Institutionen für sich vereinnahmen wird, um die eigene Machtposition auszubauen. Russland hat derzeit das größte Interesse, der Welt wirkungsvoll zu zeigen, dass politische Sanktionen verstärkte Gegenwehr mehrerer Staaten nach sich ziehen könnten. Der Vorstoß der BRICS-Länder, das etablierte Weltfinanzsystem in Frage zu stellen, ist nachvollziehbar, die Aussichten auf schnellen Erfolg scheinen allerdings gering.

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Ein Kommentar

Boris Langendorf

Lieber Herr Bielmeier,

das haben Sie meiner Ansicht nach zu diplomatisch formuliert. Einig sind sich die BRICS-Länder doch eigentlich nur in ihrem Nachholbedarf gegenüber den etablierteren Regionen. Ansonsten sind sie aber von der Ausgangslage, der Mentalität und ihren objektiven Interessen her so unterschiedlich wie sie nur sein können. Ich meine deshalb, dass die Erfolgsaussichten dieser Aktivität auch auf lange Sicht minimal sind.

Beste Grüße

Boris Langendorf

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