Zweite BIP-Quartalssaison im Euroraum eröffnet: Spanien prescht vor – Belgien strauchelt

Die Berichtssaison für die vierteljährlichen Wachstumsraten hat begonnen. Ab heute wird jedes Euro-Mitgliedsland sukzessive seine Konjunkturkennziffern (BIP) für das zweite Quartal des Jahres 2014 veröffentlichen. Eingeleitet wird diese Phase traditionsgemäß mit den Ländern Belgien und Spanien. Und während die Iberer als krisengeschütteltes Programmland ihren wohlverdienten medialen Fokus bekommen, wird Belgien mit seinen „unspektakulären“ Wachstumsraten beinahe schon beiläufig durchgewunken.

Dabei war die Veröffentlichung des spanischen Bruttoinlandsprodukts allenfalls eine kleine Überraschung. Bereits vor einer Woche legte die Banco de Espana ihre Prognose mit +0,5 % ggü. dem Vorquartal vor. Für gewöhnlich eine treffsichere Sache. Nun kam es mit starken +0,6 % sogar noch einen Tick besser. Für die Regierung in Madrid scheint es ein unverkennbarer Beleg für die zunehmende Erholung der heimischen Wirtschaft zu sein – und allemal Grund genug ihre Wachstumsprognosen abermals nach oben zu nehmen: So kletterten die Konjunkturerwartungen für 2014 von 0,7% auf nunmehr 1,5 % an. Für das kommende Jahr geht die Regierung mittlerweile sogar von 2,0 % aus; nach 1,2 %. Damit setzt sie ein deutliches Zeichen: Spaniens Wirtschaft nimmt weiter Fahrt auf.

Da kann Belgiens Wirtschaftswachstum nicht mithalten. Mit 0,1 % strauchelte das BIP-Wachstum im zweiten Quartal – ein schwacher Wert, allerdings auch nicht ganz unerwartet. Offensichtlich haben der politische Dauerkonflikt zwischen den Flamen im Norden und den Wallonen im Süden und die daraus resultierende Reformmüdigkeit der vergangenen Jahre auch in konjunktureller Hinsicht ihre Spuren hinterlassen. Die wirtschaftspolitische Bilanz in den letzten sieben Jahren fiel jedenfalls eher mager aus. Das lastet nun auf Belgiens Wirtschaftswachstum und dürfte den Erholungspfad der kommenden Quartale weiter auf einem schwachen bis moderaten Niveau halten. Es liegt nun an dem frisch geschmiedeten Mitte-Rechts-Bündnis, die liegengelassenen Hausaufgaben nachzuholen. Ihm wird zumindest die notwendige Kraft zugetraut, unpopuläre aber längst überfällige Reformen anzuschieben, um das Wirtschaftspotenzial mittelfristig ein Stück weit zu erhöhen.

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