Euro-Raum: Energiepreise drücken Inflation näher an die Nullgrenze

Die Inflationsrate im Euroraum ist im Juli nach vorläufigen Angaben auf 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, im Vormonat lag sie noch bei 0,5 Prozent. Damit rutscht die Teuerungsrate wieder ein Stück näher an die Nullgrenze. Für Diskussionsstoff dürfte also nächste Woche bei der EZB-Ratssitzung gesorgt sein.

Maßgeblich für den leichten Rückgang war der Teilbereich Energie. Hier fielen die Preise gegenüber dem Vorjahr um 1,0 Prozent. Zum einen haben auf dem Weltmarkt die Rohölpreise in US-Dollar gegenüber Juli 2013 um 0,6 Prozent nachgegeben. Noch wichtiger aber: Der Wechselkurs des Euro zum US-Dollar steht aktuell trotz der jüngsten Kursverluste um 3,6 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Daher sanken die Rohölpreise in Euro gerechnet um rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies dürfte einen Großteil der geringeren Energiepreise für die EWU-Verbraucher erklären.

Eine ähnliche Tendenz zeigen auch die vorliegenden Daten aus einzelnen Euro-Mitgliedsländern. In Spanien sank die für europäische Zwecke harmonisierte Inflationsrate von 0,0 auf -0,3 Prozent. Die Verbraucherpreise in Italien ermäßigten sich von 0,2 auf 0,0 Prozent; in Deutschland gab die Inflationsrate ebenfalls von 1,0 auf 0,8 Prozent nach. Auch hier waren es niedrigere Preise für Energie, die für den Rückgang der Inflationsraten gesorgt haben.

Die wirtschaftliche Dynamik im Währungsgebiet ist weiterhin zu schwach, um binnenwirtschaftlichen Inflationsdruck zu erzeugen. Der im Jahresvergleich immer noch hohe Wechselkurs des Euro zum US-Dollar sorgt dafür, dass importierte Güter, und besonders Energie, relativ billig sind und so die Verbraucherpreise drücken. EZB-Präsident Draghi hatte zuletzt mehrfach auf den Wechselkurs als Risiko für eine zu niedrige Inflation hingewiesen. Dass die Befürchtungen berechtigt sind, zeigt auch ein Vergleich mit der Kernrate des Währungsgebiets, also der Inflationsrate ohne die Komponenten Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak. Bei ihr wirken sich die Preise importierter Güter weniger stark aus, daher lag sie im Juli mit 0,8 Prozent deutlich höher als die „Headline“-Inflationsrate.

Sofern außenwirtschaftliche Faktoren die Verbraucherpreisentwicklung weiter bremsen, hat die EZB ein Problem: Denn das Inflationsziel von knapp 2 Prozent bleibt damit in weiter Ferne. Eine erneute Diskussion über die Verschärfung der Deflationsgefahr scheint vorprogrammiert.

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