Aktienmärkte verlieren im Juli deutlich an Boden

Die Kursentwicklung an den Aktienmärkten fiel bis vor einigen Tagen diffus aus, es fehlte an klaren Sektor- und Markttrends. Die meisten der großen Aktienmärkte haben aber nun die relativ engen Handelsspannen nach unten verlassen. Die langfristigen Zinsen sind weiter gefallen, die verbesserten (US-)Wachstumsaussichten spiegeln sich jedoch noch nicht in den Kursen wider. Auf der Habenseite ist positiv zu verbuchen, dass die Märkte die negativen politischen Nachrichten aus Russland, der Ukraine und dem Nahen Osten noch vergleichsweise gut abgeschüttelt haben. Jedoch dürften die realwirtschaftlichen Konsequenzen für die europäischen und deutschen Unternehmen insgesamt etwas größer sein, als es der Markt zunächst erwartet hat.

Sollten z.B. die deutschen Exporte nach Russland infolge der jüngst verhängten Sanktionen im Jahresschnitt 2014 um 20 Prozent zurückgehen, so entspräche dies einem entgangenen Umsatz von acht Milliarden Euro. Bezogen auf die deutsche Wirtschaftsleistung wären dies 0,3 Prozent. Neben den direkt durch die EU-Sanktionen entstanden Einbußen können in den kommenden Quartalen negative Effekte auch durch Gegenmaßnahmen der russischen Regierung entstehen. Wirklich ernst für die europäische Wirtschaft würde es vor allem, wenn Russland die Energieexporte (Öl und Gas) nach Westeuropa auch mengenmäßig einschränken würde. Die EU deckt ihren Energiebedarf immer noch zu rund 40 Prozent aus russischen Quellen, auch die Gewinnentwicklung westlicher Unternehmen wäre von einem solchen Szenario bedroht.

Inzwischen hat die Mehrheit der europäischen Unternehmen Zahlen zum 2. Quartal 2014 vorgelegt. Insgesamt ist die Berichtsaison geprägt durch recht durchwachsene Ergebnisse. Die Unternehmen des Euro Stoxx 50 haben inzwischen mehrheitlich die Ergebnisse des 2. Quartals veröffentlicht. Zwar waren Umsatz (-4%) und Ergebnis (-2%) insgesamt rückläufig, und die Umsatzdynamik lag noch leicht unter den Erwartungen, jedoch konnten die Unternehmen auf der Ergebnisseite mehrheitlich überzeugen. Positive Überraschungen zeigten sich insbesondere in den Sektoren Telekom und Technologie.

In Deutschland haben fast 60% der DAX-Unternehmen Zahlen vorgelegt. Mit einem stagnierenden Umsatzwachstum und einem Ergebnisrückgang von rund 6% war die Ergebnisentwicklung im 2. Quartal 2014 deutlich schwächer als in den Vorquartalen. Die Zahlen sind insgesamt leicht schlechter ausgefallen als erwartet, im DAX konnten z. B. die Unternehmen aus den Sektoren Konsumgüter (v.a. Adidas und Lufthansa) und Industrie nicht durchweg überzeugen. Deutliche Kursreaktionen auf die vorgelegten Zahlen waren auch bei den kleineren Unternehmen zu beobachten, wo u.a. jüngst Stratec Biomedical und Rational positiv überraschten, während u. a. Drägerwerk und Software enttäuscht haben.

Insgesamt unterstützen die Fundamentaldaten aber unverändert die mittelfristigen Aktienmarktaussichten. Das Gewinnwachstum dürfte sich dank einer besseren Konjunkturentwicklung sukzessive verbessern, wenngleich auch nicht ganz an die optimistischen Konsensprognosen für 2014 und 2015 heranreichen. Aktien sind im Vergleich zu Anleihen attraktiv bewertet. Die Bewertung der Aktienmärkte selbst liegt gegenüber der Historie etwas über dem Durchschnitt, aber nicht unvernünftig hoch, angesichts der Zinsen nahe Null und niedriger Inflationsraten.

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