DAX im Schwitzkasten der Geopolitik

Wir hatten seit einiger Zeit die Meinung vertreten, dass der DAX nicht deutlich über 9.000 Punkte stehen dürfte, wenn nicht die Notenbanken während der vergangenen Jahre so eine expansive Geldpolitik betrieben hätten. Die Gewinnentwicklung der Unternehmen ist enttäuschend, bereits seit einigen Jahren treten die Gewinne der Euro Stoxx 50- und DAX-Unternehmen auf der Stelle. Ein Großteil der guten Kursentwicklung am Aktienmarkt ging neben der lockeren Geldpolitik und des damit verbundenen Niedrigzinsumfelds auf das Konto von Aktienrückkäufen und verbesserten Refinanzierungskonditionen der Unternehmen und nicht auf eine dynamische Gewinnentwicklung zurück.

Zunehmende geopolitische Unsicherheiten haben in den vergangenen beiden Wochen an den Aktienmärkten nun tatsächlich zu Gewinnmitnahmen geführt. Argumente für die Verkäufe gab es viele: die technische Zahlungsunfähigkeit Argentiniens, die Sanktionen der westlichen Staaten gegen Russland, die Konflikte im Nahen Osten. Positive Nachrichten, wie die guten US-BIP-Zahlen zum 2. Quartal und die weltweit erneut verbesserten Einkaufsmanagerindizes, konnten die Marktteilnehmer hingegen nicht beschwichtigen. Erstmals seit dem Oktober 2011 fiel der DAX wieder für eine längere Periode unter den 200-Tage-Durchschnitt.

Mit Blick auf die nächsten Wochen spricht nun einiges dafür, dass der DAX zunächst konsolidieren und dann einen Großteil der Verluste aufholen wird. Temporäre Rücksetzer in den Bereich um 8.800 Punkte sind allerdings nicht auszuschließen, Ausmaß und Zeitpunkt eventueller Kurstaucher hängen vom weiteren Fortgang der Entwicklungen in der Ukraine und im Nahen Osten ab. Die zu erwarteten Umschuldungsverhandlungen Argentiniens sollten die Märkte hingegen kaum belasten. Mit Blick auf die Q3-Berichtsaison drohen bei einzelnen Unternehmen déjà-vus, hier könnte sich die Unsicherheit über den Weitergang der Geschäfte mit Russland erneut negativ niederschlagen. Der breite Markt hingegen sollte von der generellen Aufhellung der Konjunkturperspektiven profitieren.

Die längerfristigen Aktienmarktaussichten werden unverändert von den fundamentalen Eckvariablen unterstützt. Das Gewinnwachstum dürfte sich dank einer besseren Konjunkturentwicklung sukzessive verbessern, wenngleich auch nicht ganz an die optimistischen Konsensprognosen für 2014 und 2015 heranreichen. Aktien sind im Vergleich zu Anleihen attraktiv bewertet. Die Bewertung der europäischen Aktienmärkte selbst liegt gegenüber der Historie etwas über dem Durchschnitt, aber nicht unvernünftig hoch, angesichts der Zinsen nahe Null und niedriger Inflationsraten. In den USA hingegen erscheinen die Märkte überteuert, wie wir bereits in unserer Publikation „Irrationaler Überschwang 2.0“ vom 23. Juli ausgeführt hatten.

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